RC Magersucht


                       

                                                                                                            

 

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Die Magersucht der Zweitaktmotore



Veröffentlicht im Modellsport Verlag Rotor 5/99 u. 6/99 und MFI 7/99 u. 8/99

von

Bruno Stükerjürgen





Zweitakt-Motore, das unbekannte Wesen vieler Modellflieger. Es gibt immer wieder Problemsituationen, die man nicht isoliert, sondern im Ganzen betrachten muß. In den letzten Jahren ist jedoch ein Problem - das Abmagern des Motors - immer wieder und in vielfältiger Ausführung an mich herangetragen worden. Diese für den Modellflieger so schwierige Aufgabe steigert sich dahingehend, daß die Problembeschreibung sich so schwierig erwies, daß mir ein Vidio zugesand wurde. Dieses Vidio erwies sich als sehr aufschlußreich, also für jeden eine sehr gute Möglichkeit die Probleme aller Art genau zu analysieren. Wie so oft liegt bei auftretenden Motorschwierigkeiten der Teufel im Detail.

Das am häufigsten aufzutretende Problem scheint die Abmagerung bzw. Überhitzung der Motore zu sein. Die meisten Modellflieger erkennen ihre Schwierigkeiten nicht als solches, und können somit dieses Problem dann auch nicht lokalisieren oder isoliert betrachten und lösen. Es fehlt oftmals die hierfür erforderliche Erfahrung mit Motoren, um zum Erfolg zu kommen. Wer denkt auch schon bei einem neuen Motor, der auf Empfehlung gekauft wurde, an Schwierigkeiten oder gar vorprogrammierte Schwierigkeiten? Motorhersteller und Wettbewerbspiloten suggerieren uns doch die ach so einfache Handhabung dieser -oh Weh- so komplizierten Triebwerke. Ich kann an dieser Stelle alle beruhigen - auch Wettbewerbspiloten haben große, wenn nicht größte Schwierigkeiten ihre Triebwerke in den Griff zu bekommen. Ist einmal ein problemloses Handling gefunden, wird über Monate oder gar Jahre nichts mehr geändert, um sich ja kein “Ei ins Nest zu legen”. Derartige Maßnahmen behindern natürlich die Entwicklung der Motore durch Wettbewerbspiloten ungemein. So werden dann Rufe nach großvolumigen Motoren, die natürlich auch schwerer sind, laut. Die Problematik wird sich aber auch hier nicht ändern.

Am häufigsten wird bei Piloten über das Abmagern des Motors während des Fluges nachgedacht. Eine äußerst unangenehme Sache - dieses Abmagern.

Wie zeigt sich in der Regel das Abmagern des Motors?

Für dieses Ärgernis gibt es viele Anzeichen, wie z. B. :

· keine sichtbare Rauchfahne

· verbrannte Glühkerzen

· einen metallischen Motorsound

· frühzeitiges Einbrechen der Motorleistung

· Motoraussetzer bei abgeforderter Volllast

· Motorabsteller in jeder Lage

Die Ursache für diese Anzeichen sind so vielfältig wie die Anzeichen selber. Das Zusammenspiel vieler kleiner Ursachen zu einem komplexen Motorproblem ist nur logisch, wenn die unterschiedlichen Einflüsse bekannt sind. Die meisten Schwierigkeiten mit den Motoren sind von den Piloten jedoch hausgemacht, da Lösungsvorschläge oder Tips arglos beiseite geschoben werden und irgendwann dann gar nichts mehr geht. Ein bei mir immer wieder auftauchendes Beispiel ist mein vor Jahren vorgestelltes UNIT-Tanksystem. Ein in der Branche gut bekannter Tankhersteller hat versucht dieses System zu kopieren - wie ich meine eine technische Lachnummer schlecht hin. Wie soll der Motorbetreiber Systeme mit Erfolg betreiben, wenn die Industrie ihre eigenen Produkte nicht verstanden hat?

Ähnlich verhält es sich mit dem sehr sachlichen Artikel von Ernst Wieland im Rotor 03.99. Er untermauert meine Erfahrungen mit einem Dutzend mathematischer Formeln und korrigiert sicherlich zu Recht den Ursprung der Unit-Idee. Was ich bei seinen Überlegungen vermisse, ist die Betrachtung für den Mittelgasbereich (ca. 13.000 U/Min.), bei dem der Überdruck im Tank nur etwa 10 - 15 mbar beträgt, und die nicht zu vergessene Einflußgröße “Düsenstock-Nadel”, die bei den meisten Vergasern auf die kleinsten Druckdifferenzen reagieren. Zuguter letzt schreibt er noch abschließend von einer “umständlichen Tankprozedur und einem sich lohnenden Mehraufwand”. Der Mehraufwand besteht lediglich in einem zweiten Pendel (Schlauch und Gewicht) und die Tankprozedur erledigt sich mit dem wie auf dem Foto angeordneten Druckschlauch mit der Schlauchschnittstelle oberhalb des Tankspiegels (hier wird getankt). Ich betreibe dieses System jetzt seit vier Jahren ohne “Tankprozedur” und ohne irgendwelche Tankprobleme. Wie jedes andere Tanksystem auch, hat das Unit-System seine Eigenheiten, auf die sich jeder einstellen kann. Aber ich will hier keine Werbung für das Unit-System machen, sondern nur untermauern, wie kompliziert einige Piloten denken und mit den einfachsten Dingen dann doch ihre Schwierigkeiten haben.

Aber nun zum Kern dieses Artikels, das Abmagern der Motore. Ursache hierfür sind ungeeignete Tankanlagen incl. der Verlegung der Schläuche, falsche Resonanzrohrlängen, ungeeignete Resonanzrohre, Schmutz im Vergaser oder verstopfte Filter, ungeeignete Vergaser oder Düsennadeln, falscher Sprit bzw. Öl, defekte Motorlager bzw. zu stramme Lagerpassungen, Lager mit zu wenig Lagerluft, defekte Lager im Hubschrauber oder zu große Propeller, oder einfach ein zu mager eingestellter Motor.

Bei den Tanks betrachte ich zunächst einmal die Außenhülle! Je dünner bzw. flexibler das Material, desto kritischer werden die Lastübergänge des Motors. Im Resonanzbetrieb erreicht der Druck im Tank je nach Abstimmlänge und Resonanzrohr ca. 30 mbar. In einem Gefäß, gefüllt mit Treibstoff, kann jedoch nur Druck aufgebaut werden, wenn ein Luftpolster vorhanden ist. Luft kann also komprimiert werden, nicht der Sprit. Wird nun ein dünnwandiger Tank mit 30 mbar unter Druck gesetzt, und dann ein Leistungsstop eines Motors simmuliert (drosseln), entsteht im Tank durch die weiche Außenhaut ein Pumpreflex. Würde das Drosselküken innerhalb dieses Reflexes wieder geöffnet, entsteht ein unkontrollierbarer Spritfluß zum Vergaser. Undefinierbare Erscheinungen sind dann die Folge. Die Krux an dieser Sache ist; je größer die Luftblase im Tank, desto schlimmer wird dieser Pumpreflex bedingt durch eine zu schwache Außenhaut. Ein Tank dient nicht nur der Speicherung bzw. Bevoratung des Treibstoffes, sondern muß auch bestimmte Kriterien erfüllen um keine unnötigen Probleme zu schaffen. Die Pumpwirkung eines Tanks hat natürlich nichts mit dem Abmagern eines Motors zu tun, sondern vielmehr mit seinem Laufverhalten während des Fluges. Viel kritischer in punkto Abmagern ist ein zu schwacher Druckaufschlag im Tank. Ein verstopfter Drucknippel oder die ungeeignete Anordnung des Nippels am Abgastrakt können unangenehme Folgen mit sich bringen. Den größten Druckaufschlag aus dem Resonanzrohr erhält man direkt vor der Prallplatte oder an der dicksten Stelle des Diffusors. Der geringste Druck liegt direkt hinter dem Motor im Krümmer (Motorstutzen) an.

Wie stellt sich ein total verstopfter Druckanschluß dar?

Ohne Luftausgleich, geschweige denn Überdruck aus dem Resonanzrohr saugt der Motor in der Regel erst gar nicht an. Selbst das Anlassen des Motors entwickelt sich zu einer Tortur. Ein sicheres Zeichen hierfür ist, daß während des Startvorgangs mit dem Anlasser der Motor auch bei zugehaltenem Resonanzrohr keinen Sprit bekommt. Eine Kontrolle kann durch abgezogenem Druckschlauch erfolgen. Der Motor saugt dann, je nach Vergasergröße, durch eigenen Unterdruck etwas Sprit an. Undurchsichtiger wird die Situation bei einem zum Teil verstopten Nippel. Der Motor springt normal an und läuft auch im niedrigen Drehzahlbereich ganz normal durch. Die Schwierigkeit tritt erst bei einer wesentlichen Leistungserhöhung auf. Man kann einem geschlossenen Behälter keine Flüssigkeit entnehmen, wenn kein Austausch bzw. Druckaufschlag durch Luft o.ä. vorliegt. Das Ergebnis in dem vorliegenden Fall ist Treibstoffmangel. Im Tank entsteht ein kleiner Unterdruck durch die Saugleistung des Vergasers. Der Motor bekommt zu wenig Sprit und fängt somit langsam an abzumagern und als Folge daraus auch an zu überhitzen, bis zum Absteller. Eine Vorwarnung können Motoraussetzer sein. Entgegen einem leeren Tank heult der Motor in diesem Fall nicht kurz auf, sondern reduziert permanent seine Drehzahl.

Bild: eingedrückter GRAUPNER-Tank, Tankeinbau Genesis, Drucknippel und Einbau im Rohr

Ein verstopfter Drucknippel kommt selten vor, sollte aber dennoch regelmäßig kontrolliert werden. Derartige Fehlerquellen sind immer die unbequemsten, da sie, aufgrund ihrer Seltenheit, nicht vermutet werden. Auf die unterschiedlichen Tanksysteme, die dem Modellflieger zur Verfügung stehen, will ich an dieser Stelle nicht gesondert eingehen. Es ist darüber in den letzten Jahren viel geschrieben, nachgedacht und auch gemeckert worden, aber die Wenigsten haben die Tips in die Praxis umgesetzt. Es gibt meines Wissens nach nur vier Tanksysteme, die für uns Modellflieger in Frage kommen:

· herkömmlicher Druck-Tank mit Zusatztank zur Entnahme

· Bubbless-Fuel-Tank

· UNIT-Tanksystem

· herkömmlicher, offener Tank in Verbindung mit einer Spritpumpe

Bilder: Tanksysteme, Zeichungen

Auf die Verlegung der Saugleitung sollte ebenso Wert gelegt werden, wie auf dichte Verbindungen. Eine 20 oder 30 cm lange und nicht befestigte Saugleitung kann so ihre Probleme mit sich bringen. Durch Vibrationen und das herumschlabbern der Saugleitung bilden sich unter Umständen mikrofeine Luftblasen, die Spritmangel als Symptom aufweisen. Die Saugleitung sollte möglichst kurz gehalten werden und mit z.B. Kabelbindern gesichert werden. Die Verbindungsstellen sollten unbedingt mit Schlauchklemmen vor dem Abrutschen gesichert werden, denn nichts ist ärgerlicher als ein zerstörtes Modell, verursacht durch einen abgerutschten Spritschlauch.

Bild: Schlauch mit Klemme

Bitte keine Schlauchverbindungen im Druckschlauch in der Nähe des Resonanzrohres mit Kunststoffröhrchen herstellen, da durch die große Wärmeentwicklung die Röhrchen ihren Querschnitt verengen und die Wirkung einem verstopften Drucknippel gleichkommt. Messingröhrchen mit einem Anschlag in der Mitte sind hierfür erste Wahl.

Bild: mess. Schlauchverbindung

Was um Himmels Willen hat die Resonanzrohrlänge und ein ungeeignetes Resonanzrohr mit dem Abmagern eines Motors zu tun? Hierbei gilt, je länger das Resonanzrohr, desto geringer ist der Innendruck und der daraus resultierende Druckaufschlag für das Tanksystem. Je kürzer das Resonanzrohr, desto heißer läuft der Motor und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Ungeeignete Resonanzrohre erkennt man an einen zu großen Innenwiderstand (beim durchblasen bekommt man dicke Backen). Zum Vergleich pustet man durch ein 10 cm langes Röhrchen mit einem Innendurchmesser von 8 mm. Alles was größer als dieser Widerstand ist, kommt der Motorleistung, Laufkultur und dem Handling nicht unbedingt entgegen. Für die Motordrehzahlen in unseren Modellen von 12000 bis 18000 U/Min kann jedoch ein geringfügig vergrößerter Innenwiderstand leistungsfördernd sein. Ab einer Motordrehzahl von ca. 15000 U/Min werden die erhöhten Widerstände jedoch langsam lästig. Die Energieabgabe erfolgt nicht an die Kurbelwelle, sondern als Wärmeenergie an das Motorgehäuse. Die unangenehme Folge ist eine permanente Abmagerung des Motors. Bei einer zu kurzen Resonanzrohrlänge entsteht das gleiche Symptom. Woran erkennt man nun ein zu kurz abgestimmtes oder ungeeignetes Resonanzrohr? Im Flug kann eine Zuordnung zu einem guten oder schlechten bzw. zu kurzem Resonanzrohr nicht eindeutig erfolgen. Hierfür sind Prüfstandversuche erforderlich, die die Misere sofort aufdecken. Bei einer massiven Fehlerquelle Resonanzrohr kann die Glühkerze nach einem Flug Aufschluß geben. Die Kerzen verglühen regelrecht, vergleichbar mit einer zu hohen Verdichtung im Frühstadium. Ich will jetzt jedoch niemanden dazu verleiten seine Resonanzrohre mit einer Länge von vorsichtigen 40 cm und mehr einzubauen. Meine Erfahrungen und Prüfstandversuche haben eine Rohrlänge von 35 cm (Prallplatte - Motorflansch) für das Hatori #650, 36 cm für das Vario NV-Rohr und 38 cm für das neue Zimmermann - Edelstahlrohr ergeben. Diese Rohrlängen gelten für eine Motordrehzahl von ca. 16000 U/Min. für die Motoren Nova Rossi 60, OSRX und OSSX 61. An den verschiedenen Abstimmlängen der Rohre ist der unterschiedliche Innenwiderstand der Resonanzrohre erkennbar. Für die kommende Saison werde ich für den Altagseinsatz ein Resonanzrohr mit einem Gegenkonus erproben. Meine Vorstellung ist ein weitaus unkomplizierteres Laufverhalten und ein unkompliziertes Abstimmen der Resonanzrohre als dieses bei Prallplattenrohren der Fall ist.

Welchen Einfluß kann die Position des Drucknippels auf das Laufverhalten bzw. Abmagern des Motors haben? Der Druckaufschlag im Tank hat für mich eine ähnliche Bedeutung wie die Einspritzpumpe bei Großmotoren. Was passiert bei dem Einsatz eines Drehzahlreglers mit Vergasern im Saugbetrieb? Der Regler steuert bei jedem Griff in den Steuerknüppel den Vergaser auf oder zu. Das Spritproblem entsteht in dem Moment, wenn der Regler kurzfristig Leistung anfordert und über den Vergaser im Tank erst Unterdruck aufgebaut werden muß. Die Dauer der Unterdruckerzeugung kann mit den schnellen Reglerintervallen der Electronik nicht mithalten und wird mit ziemlicher Sicherheit in unkontrollierte und kaum mehr definierbare Motorlaufverhalten enden. Für mich gilt daher: je höher der Einspritzdruck, desto schneller kann der Vergaser sauber reagieren und regeln. Daraus ergibt sich nur eine Position des Drucknippels, nämlich die vor der Prallplatte oder Gegenkonus. Mit Haken und Ösen funktioniert auch dieses wieder nur bedingt. Je größer der Druck am Düsenstock, desto feiner muß dieser über die Düsennadel regelbar sein. Bei den meisten mir bekannten Vergasern ist der erforderliche Regelbereich jedoch viel zu klein. Eine gute Regelbarkeit ist für mich mit einer Düsennadel innerhalb einer Umdrehung gegeben, d.h. zwischen leicht Fett und leicht Mager liegt eine komplette Nadelumdrehung. Bei einem derartigen Regelbereich wird der Motor bei starken Wettereinflüssen entschieden unkomplizierter und für Jedermann einstellbar. Die Verantwortlichen können doch von uns Modellfliegern nicht allen Ernstes verlangen, daß wir 30% Nitro und 20% Öl in den Sprit mischen um den Motor vernünftig einstellen zu können. Ich bezeichne so etwas schlicht weg als Frechheit. Die Position des Drucknippels ändert sich somit zu Ungunsten des maximalen Druckes, nämlich etwa auf die Mitte der Diffusorlänge des Resonanzrohres. Diese Position läßt sich für den Einstellbereich der uns zur Verfügung stehenden Vergaser recht gut beherrschen. Das letzte Sorgenkind in Form eines OS61SX, das mir zugesand wurde, entpuppte sich auf dem Prüfstand als nicht einstellbar. Die dem Motor beigelegte und vom Piloten als Ersatznadel des 60B-Vergasers tituliert, stellte sich als eine alternative Nadel mit einer flacheren Spitze dar. Mit dieser Nadel konnte der Regelbereich immerhin soweit vergrößert werden, daß der Motor einstellbar wurde. Gut war diese Alternative jedoch immer noch nicht.

Bild: Resorohr mit Drucknippel, Zeichung Düsennadelspitzen

Durch einen schlecht einstellbaren Vergaser ist die Chance sehr groß den Motor zu mager abzustimmen. Jede Unregelmäßigkeit in der Spritversorung wirkt sich um ein vielfaches schwerer aus als bei einem guten Vergaser. Der Zusammenhang zwischen schlecht einstellbarem Vergaser und einem abmagernden Motor scheint bei den Motorherstellern nicht bekannt zu sein. Der einzige mir bekannte Vergaser, der diesen unkomplizierten Regelbereich aufweist, ist der von Fred Anneke getestete Lötterle Rundschiebervergaser “Made in Germany”. Ich selber konnte den Vergaser bisher nur probeweise testen, aber mein erster Eindruck ist sehr gut und gibt mir Hoffnung. Der Vergaser ist so einfach gehalten, daß er sogar 40 g. leichter ist als z.B. ein OS 60B Vergaser - Gratulation an den Konstrukteur!

Bild: Vergaser 60B und Lötterle

Eine weitere Gefahr des Abmagerns liegt in verschmutzten Versorgungsleitungen oder Vergasern. Hierbei muß festgesetzter Schmutz von losen Schmutzpartikeln unterschieden werden. Die entstehenden Symptome sind hierbei sehr unterschiedlich. Festgesetzter Schmutz verengt den Versorgungsquerschnitt permanent und vergrößert das Motorproblem fast linear mit zunehmender Drehzahl und damit verbundenem Spritzufluß durch den Vergaser. Die Versorgungsmenge stagniert ab einer durch die Verengung deffinierten Treibstoffmenge. Im Zeitalter der heutigen Qualität der Feinfilter, liegt der Gedanke an einfacher Verschmutzung unheimlich fern, aber diese Nachlässigkeit holt jeden Motorbetreiber irgendwann ein. Mikrofilter, die feinsten Schmutz zurückhalten, verstopfen natürlich auch um ein vielfaches schneller als grobe Filter! Der Schmutz lagert sich dann nicht im Düsenstock, sondern vorher im Filter ab. Ich für meinen Teil verwende ausschließlich Sinterfilter als Saugpendel im Tank. Durch Montagearbeiten am Saugsystem kann es auch schon mal vorkommen, daß grobe Partikel in den Düsenstock gelangen. Diese Art der Verschmutzung ist schnell lokalisiert. Bei einem geringen Spritdurchfluß durch den Düsenstock scheint alles normal zu sein. Wird dem Motor Leistung abgefordert und somit der Spritdurchfluß im Düsenstock vergrößert bzw. die Fließgeschwindigkeit vergrößert, zieht sich dieser lose Schmutz in der Regel zur engsten Stelle des Düsenstockkes hin. Die größte Strömungsgeschwindigkeit liegt im Bereich des Übergangs von Düsenstock und Vergaser (Ringspalt). Nimmt man die Motordrehzahl wieder zurück, scheint alles wieder normal zu sein. Regelmäßige Kontrollen und durchspülen bzw. durchblasen der gesamten Versorgungsleitung incl. Vergaser können diese Ausfälle auf ein Minimum begrenzen. Schmutz im Versorgungstrakt hat schon manchen Wettbewerbspiloten eine gute Platzierung vereitelt. Die einfachsten Sachen können die größten Schwierigkeiten verursachen.

Nun komme ich zu einem Thema, das schon viele Diskussionen erlebt hat und sich mittlerweile sehr emotionsgeladen darstellt - die Treibstoffmischung. Es gibt viele Spritmischungen, die perfekt funktionieren, aber nach meinen Erfahrungen ebenso viele, die nicht oder unzureichend funktionieren. Ich will hier nicht den Chemikern und kommerziellen Spritmischern vorgreifen, was für mich zählt ist das Ergebnis. Ich möchte gar nicht wissen welcher Ölhersteller welche Additive benutzt. Für jeden Motorbetreiber kann nur eines gelten: hohe Laufkultur, hohe Leistung bei geringem finanziellen Einsatz. Das Verrosten bzw. Korrodieren der Motoren während der Lagerzeit gehört in der heutigen Zeit, so hoffe ich, für jeden der Vergangenheit an. Der Preisvergleich für die verwendeten Treibstofbestandteile geben dem preisbewußten Modellflieger entscheidend Aufschluß. Der Preis für 1 ltr. Methanol beträgt ca. DM 1,50, für 1 ltr. Synthetiköl ca. DM 20,-- und für 1 ltr. Nitromethan ca. DM 50,--. Betrachtet man diese Literpreise, kommt für jeden preisbewußten Flieger eigentlich nur eine Spritmischung in Frage - 100% Methanol. Diese preiswerte, aber doch recht stumpfe Mischung funktioniert jedoch nur bei Motoren mit eigener Ölversorgung. Was hat die Spritmischung nun mit dem Abmagern eines Motors zu tun? Vergleichbar sind nur die Symptome des Abmagerns. Schlechter oder besser weniger guter Sprit vergrößert im Motor den Reibungswiderstand und Reibung erzeugt Wärme. Der Motor wird zu heiß und nicht mehr einstellbar. Im Modell kann man diese Leistungseinbrüche schlecht zuordnen, denn wer denkt schon daran, daß die Spritmischung für massive Motorprobleme verantwortlich ist? Bei Versuchen auf dem Prüfstand erlebt man diese Unregelmäßigkeit viel bewußter. Der Motor fängt an unruhig zu laufen, was sich bis zu massiven Drehzahleinbrüchen steigert. Hier hilft auch keine fettere Einstellung und nur bedingt eine längere Resonanzrohabstimmung. Wer jetzt einen Namen von mir hören möchte, den muß ich enttäuschen, da diese Branche doch recht ruppig gegen ihre Kritiker vorgeht, und das ist mir diese Sache nicht wert. Derjenige, der die meiste Werbung betreibt, hat jedenfalls nicht immer das beste Produkt. In meinem vorherigen Modellfliegerleben brauchte ich mich um Spritmischungen keine Gedanken machen, denn es gab eine von der FAI zugelassene Mischung: 80% Methanol und 20% Rizinusöl. Eine prima Sache, wie ich meine, nur die fürchterliche Schmiererei mit dem Rizinusöl war etwas lästig, und man stank am Ende eines jeden Flugtages 5 Meter gegen den Wind. Warum es eine vergleichbare Regelung von der FAI nicht für Hubschrauberwettbewerbe gibt kann ich nicht nachvollziehen.

Zurück zum Öl; um dieses schlecht schmierende Öl überhaupt gebrauchsfähig zu machen, kommt vermutlich ein höherer Ölanteil mit evtl. viel Nitro im Sprit zur Anwendung. Die hohen Reibungsverluste im Motor müssen ja irgendwie kompensiert werden. Durch die hohen Öl- und Nitroanteile muß die Düsennadel jedoch kräftig aufgedreht werden, da der Spritdurchfluß je nach Mischung annähernd verdoppelt wird. Wenn also ein Motor ohne Nitro nicht laufen mag, wird die Sache mit dem Öl schon sehr verdächtig. Wenn ich höre, wie auf der letzten Europameisterschaft die Punktrichter eingeräuchert wurden und mit Taschentüchern als Gasmaske diese Piloten bewerteten, müssen die Punktrichter sich die Frage gefallen lassen: warum seid ihr unter Einsatz eurer Gesundheit sitzengeblieben? Haben die Beteiligten Angst vor der Disqualifikation durch die FAI, oder sind sie den Veröffentlichungen verfallen, die Öl und Nitromethan als ungefährlich für die Gesundheit einstufen? Der Eine kann es vertragen und der Andere nicht, aber keiner weiß wer betroffen ist. Das zumischen von Nitromethan macht Sinn, wenn Motore extreme Leistungen erbringen sollen, aber nicht im “Altagseinsatz für Normalflieger”. Mit einem mechanisch gut gebauten Motor sind alle Modellflieger, die keine Rennambitionen haben, auf jeden Fall besser bedient. Ein Volumenanteil von 40% Nitro ergibt eine Leistungssteigerung des Motors von von ca. 35% - theoretisch. In der Praxis wird diese Steigerung kaum jemand erreichen können, da die meisten Motore hierfür nicht die erforderlichen Voraussetzungen haben. Mischungen bis ca. 10% Nitro erleichtern lediglich das oft so schwierige Handling der Motore.

Motore, Vergaser, Öl und Nitro haben eine scheinbar nicht zu durchbrechende Abhängigkeit - aber nur scheinbar. Welche Voraussetzungen müssen hierfür geschaffen werde?

1. Die Motorindustrie ist gefordert einen leichten Motor mit einem hohen Wirkungsgrad zu bauen, der nicht einem Wärmekraftwerk gleichkommt.

2. Die Motorindustrie muß Vergaser herstellen, die Methanoltreibstoff mit maximal 10% Ölanteil und ohne Nitromethan in einem breiten Bereich regelbar machen. Der Vergaser sollte nicht schwerer als 40 Gramm sein und unbedingt einen freien Ansaugquerschnitt von mindestens 12 mm aufweisen! Der Vergaser muß für den Druckanschluß am Resonanzrohr geeignet sein.

3. Von einer freien, weltweiten Kommission muß das zur Zeit beste Öl (Preis-Leistung) am Markt ermittelt werden. Die Kommission sollte aus Piloten, Motorexperten und Motorkonstrukteuren bestehen. Es muß eine Ölqualität definiert werden, an der sich andere Ölhersteller messen, bzw. richten können.

Das “Know How” für diese Aufgabe ist längst vorhanden, es muß nur aktiviert und konzentriert werden, was im Zeitalter der Globalisierung wohl kein Problem darstellen dürfte. Diese Maßnahmen könnten enorm beschleunigt werden, wenn die FAI den Treibstoff und deren Mischungsverhältnis für Wettbewerbe vorschreiben würde. Ich höre jetzt schon die Aufschreie: das geht nicht, das funktioniert nie, das bringt nichts etc.

Es will doch Niemand allen Ernstes behaupten, daß nur die Pylon-Flieger in der Lage sind dieses Problem in den Griff zu bekommen? Die Perfektion ihrer Triebwerke bei sage und schreibe 30.500 U/Min im Flug wurde durch die Zusammenarbeit von Piloten und Konstrukteuren erzielt und das bei einem Treibstoffeinsatz von 80% Methanol und 20% Rizinusöl! Die restliche bzw. “normale” Motorwelt dürfte durch ihre Engstirnigkeit etwa 10 - 15Jahre in der Entwicklung zurückliegen. Solange jedoch Piloten verqualmte Flugplätze mit ätzendem Gestank und brennenden Augen als den erforderlichen Kick benötigen, wird die Industrie uns im wahrsten Sinne “etwas husten” die Entwicklung zugunsten einer besseren Luftqualität auf unseren Flugplätzen, und geringerer Spritkosten voranzutreiben, geschweige denn irgend etwas zu ändern. Es gibt die Technik diese Misere von heute auf morgen abzustellen, sie muß nicht erst neu erfunden werden! Die Motorbetreiber werden von der Industrie und deren Vertrieb schlicht weg für Dumm verkauft, und das in unserer aufgeklärten Zeit. Die von mir überarbeiteten Motore, bestückt mit AAC-, ABC- und Stahlgarnituren laufen seit nunmehr 4 Jahren mit maximal 10% Ölanteil und ohne Nitro. Der Drehzahlbereich erstreckt sich bis auf 25.000 U/Min. ohne erkennbare Schwierigkeiten und kompliziertem Handling - alles funktioniert perfekt. Diejenigen, die am lautesten schreien, haben nicht unbedingt das beste Produkt. Das Gute liegt oftmals im Verborgenen.

Bewegung entsteht aus Energie und nicht aus Wärme!

Nun zu einem Thema bzw. einer Einflußgröße, von dem ich bisher nur unter vorgehaltener Hand gehört habe: die Lagerung der Kurbelwelle in unseren kleinen Triebwerken. In wie weit haben diese Lagerungen Einfluß auf ein abzumagernden Motor? Es ist wieder einmal die zu große Wärmeentwicklung bei defekten Lagern, einer zu strammen Lagerpassung oder ungeeignete Lagertypen, die den Motor zum abmagern bringt. In den letzten Jahren haben ich ca ein Dutzend 50er und 60er Motore auf ihre Lagerung hin überprüft. Sieht man einmal von der Serienstreuung der Lager einmal ab, waren alle Motore mehr oder weniger schlecht gelagert. Schlecht nicht für den Maschinenbauer, sondern für die Belange eines Kleinstmotores mit besonderen Anforderungen. Als erste Maßnahme wird bei mir die Deckscheibe des vorderen Kugellagers entfernt. Bei denen von mir getesteten Motoren ist der Ölaustritt am vorderen Lager so gering, daß diese paar Tropfen für die Lagerschmierung und Lagerreinigung unbedingt erforderlich sind. Ausnahme war hier ein 61er Rossi mit Frontvergaser, der nach dem Entfernen der Dichtlippe durch das vordere Lager derart viel Öl ausstieß, daß das Lager trotz Dichtlippe immer noch genügend geschmiert wurde (die Dichtlippe hatte schon ihren Grund). Die optische Kontrolle des vorderen Lagers und das gelegentliche Ausspülen sind für mich wichtiger als ein paar Tropfen Öl am Motor. Nach ca. 30 Betriebsstunden (je nach Belastung auch u.U. früher) sollte der Motor zerlegt und die Lager überprüft werden. Die Standzeit der Lager hängt sehr stark von der Qualität der Lager und der Qualität der Lagersitze ab. Einige von den Piloten sind jetzt sicher schon dabei ihre Flugzeit zu addieren und stellen fest, daß 30 Flugstunden u.U. schon nach einem halben Jahr oder gar früher erreicht sind. Jetzt werden sich einige Piloten sagen “mein Motor läuft schon über 100 Stunden ohne Probleme”. Viele Motore laufen ihr Leben lang mit einem Satz Lager, verlieren aber unmerklich und schleichend an Leistung. Der Unterschied tritt erst auf, wenn der Motor neu gelagert wird. Einige Piloten haben sicherlich aufgrund des schleichenden Leistungsverlustes dem “alten” Motor eine neue Garnitur spendiert, um dann anschließend festzustellen, daß die Leistung nur unmerklich angestiegen ist. Eine Gefahr bei dem Einsatz alter Lager ist immer das Abbröckeln diverser Schmutzpartikel vom Käfig des hinteren Kugellagers oder die Materialermüdung der Kugeln und des Käfigs und die damit verbundene Zerstörung der Garnitur oder des Kolbenringes.

Eine gute Lagerung kann unter Umständen einen größeren Leistungszuwachs erreichen als eine Spritmischung mit 40% Nitromethan. Die Motorlagerung gehört auf jeden Fall zu den wichtigsten Teilen eines Motors, wird aber mehr als stiefmütterlich behandelt.

Woran erkennt man eine schlechte Motorlagerung?

In zusammgebautem Zustand kann nur das Axialspiel der Kurbelwelle überprüft werden. Ist beim Hin- und Herziehen der Welle in Längsrichtung keine Lagerluft fühlbar, ist dieses ein sicheres Zeichen für eine zu stramme Lagerung. Genaueres kann mur in Erfahrung gebracht werden, wenn der Motor inckl. Der Lager zerlegt wird. Die Lager werden dann fettfrei, also trocken, wieder eingebaut und mit der eingeschobenen Kurbelwelle auf leichtgängigkeit in der Drehbewegung hin überprüft. Zu Beginn meines Hubschrauberlebens dachte ich noch die stramme Lagerung der Kurbelwelle müsse so sein, da im Gegensatz zum Motor für Flächenmodelle kein Propellerzug in Längsrichtung vorliegt, wodurch die Kugeln zum Anlaufen gezwungen werden. Die vergangenen Jahren aber haben gezeigt, daß dieser Gedanke nicht zutraf und die Wellenlagerung für Huschraubermotore genau so wie Flugmotore vorgenommen werden kann. Meine Erfahrungen mit den Rennmotoren kann ich somit 1 : 1 übertragen. Bei einer ersten Überarbeitung der Lagerung meines OS61RX-Motors steigerte sich die Drehzahl mit meinem Testpropeller von 18.000 U/Min um 1.000 U/Min auf 19.000 U/Min, und das ist nicht das Ende der Fahnenstange. Ich bin sicher, daß mit einer weiteren Überarbeitung und dem Einsatz optimaler Lager die Drehzahl bis auf 20.000U/Min hochläuft. Die Lagerung unserer Hubi-Motoren und ich bin sicher auch der Flug-Motoren sind eingebaute Bremsen, die die Betreiber vor mehr Probleme stellen, als alle Beteiligten jemals vermuten würden. Hier schlummern Leistungsreserven, die einfach da sind und nur darauf warten aktiviert zu werden. Nur, wer von den Piloten schon einmal versucht hat die Motordrehzahl um 1.000 U/Min mit dem selben Set-Up zu vergrößern weiß, was für ein Ereignis das ist.

Worin unterscheiden sich hauptsächlich die Lagertypen?

Ein wichtiges Merkmal ist der Lagerkäfig, wobei der Kunststoffkäfig (Hartgewebe oder Polyamid) dem Stahl- oder Messingkäfige immer zu bevorzugen ist. Ein weiteres Merkmal ist die Maß-, Form-, und Laufgenauigkeit, wobei gilt: je genauer das Lager desto kostspieliger. Die Lagergenauigkeit sollte sich auch nach dem richten, was zu beschaffen ist, denn jedes Lager ist nicht unbedingt verfügbar. Die von mir bereits angesprochene Lagerluft - einfacher gesagt Kugelluft - wird mit den Kürzeln C2 bis C5 gekennzeichnet. Die meisten Lager haben eine “normale Lagerluft”, C2 ist enger und C3 bis C5 weiter als die normale Lagerluft. Das Gemeine an der Sache ist, daß diese Bezeichnung nicht auf dem Lager vermerkt ist, kann also nur durch eine Vermessung kontrolliert werden. Die in unseren Motoren eingebaute Lager haben in der Regel “normale Lagerluft”. Nur selten werden, wie im DC 60 C3-Lager eingebaut. Jetzt sollte aber nicht jeder Motorbesitzer versuchen die Lagerung seines Motors zu verbessern. Bei mir dauert eine Überarbeitung der Motorlagerung etwa 10 - 20 Zyklen (Lager rein - Lager raus) bis der von mit gewünschte Erfolg sich einstellt. Hier sind also Motorfreaks mit den erforderlichen Werkzeugen und “Know-How” gefordert. Vielleicht liest ja ein Motorkonstrukteur meine Zeilen und setzt meine Vorstellungen von einem guten Motor gleich in die Praxis um?!

Eine weitere Ursache eines abmagernden Motors kann die zu große Leistungsanforderung durch eine schwergängige Mechanik sein, verursacht durch defekte oder verspannte Kugellager im gesamten Mechanik-Bereich des Hubschraubers. Diesem speziellen Hubschrauberproblem sollten sich erfahrene Piloten einmal annehmen und über ihre Lösungen schreiben. Das Gleiche gilt für den Flächenflieger bei dem Einsatz eines zu strammen Propellers. Ist die Leistungsanforderung zu groß oder dem Motor nicht angepaßt, wird der Motor regelrecht gewürgt. Ich mußte bei meinem Genesis nach etwa 40 Flugstunden feststellen, daß im gesamten Mechanikbereich einschließlich der Kuppelung kein einziges Lager mehr “rund lief”. Mein Motor wurde in der Einstellung immer kritischer und sprunghafter, bis ich eines Tages begann die Sekundärseite meines Antriebes zu durchleuchten. Ursache hierfür sehe ich in der Hauptsache in nicht dicht verschlossenen, selbstschmierenden Lagern. Eindringender Schmutz, Abrieb durch die Lager und auslaufendes Fett verkürzen die Standzeit der Lager ungemein. Mit diesem Thema sollte sich unbedingt mal ein Lager- bzw. Mechanik-Freak auseinandersetzen, um hier bessere Möglichkeiten aufzuzeigen. Ich denke hier auch an selbstschmierende Metalle oder Kunststoffe. Es müssen nicht immer Kugeln sein, die sich drehen. Selbst in der Turbinentechnik werden Gleitlager verwendet.

Es muß nicht immer nach einer mechanische Ursache gesucht werden, wenn der Motor abzumagern beginnt. Eine der häufigsten Ursachen ist nach wie vor die zu magere Einstellung des Motors. Äußerst verführerisch ist die zu magerer Einstellung während der kühleren Jahreszeiten. Der Motor hat direkt nach dem Start in der Regel noch nicht seine Betriebstemperatur erreicht und wir vom Piloten dann voreilig etwas magerer gedreht. Ein zu kalt laufender Motor hat das gleiche Symptom wie ein zu fett laufendes Triebwerk. Darum Vorsicht - bevor die Nadel zugedreht wird bitte den Motor erst “warm fliegen”. Im Winter bietet es sich an eine heißere Glühkerze einzusetzen, um dem Motor das Zünden zu erleichtern. Jeder Treibstoff benötigt eine Zündtemperatur um abzubrennen. Für den Motor kann - zur besseren Erwärmung - auch die Kühlluft durch abkleben der Öffnungen reduziert werden. Das Ergebnis eines zu mager eingestellten Motors ist natürlich bei hohen Außentemperaturen um ein vielfaches kritischer als bei niedrigen Temperaturen, bedingt durch die Temperaturdifferenz der angesaugten Luft und der Kühlluft zur Motortemperatur. Eine einmal gefundene Düsennadeleinstellung sollte nicht ständig verändert werden. Ausnahmen sind Wetteränderungen, die ein aufdrehen bei kaltem Wetter und ein zudrehen bei warmen Wetter erfordern. Ein “zu viel” Aufdrehen ist dabei nicht so schlimm, wie ein “zu viel” Zudrehen. Alles im Maße, mit viel Überlegung und Gefühl und nicht zwei “Sachen” auf einmal ändern, können den Spaß am Motor ungemein steigern.

Genug an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt über das Abmagern der Motore. Mal ehrlich, wer von euch hätte geglaubt, daß es für dieses eine Problem so viele Einflußgrößen gibt?

Nur wenn viele Erfahrungen an einer Stelle zusammengetragen werden, kann eine positive Entwicklung zustande kommen.





Rietberg im Februar 1999


Copyright © 2009 Bruno Stuekerjuergen
Stand: 05.2011