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07.10.2007
Finally it is done:
The Twin Dago, with a maximum speed of 301 km / h .
There were, however, some changes are necessary:
- The 0.61er OS-Motore are changed
with 0.91er OS-Motore
- The APC propeller-11x9 are changed
with a
APC 11x12, the ground speed of 14,000 rpm has been
achieved as well.
- Stainless steel pipes from my own
development for the 0.91 engines
We have measured with a radar gun.
The challenge here was to
make this power with conventional engines.
Only the setup of the two motor units led to that success.
Twin
Mustang
Bericht von Bruno Stuekerjuergen
veroeffentlicht in der
MFI 2001 (Modellsportverlag)
Die P-82 Twin Mustang wird zur
Twin-Dago
Bruno Stuekerjuergen
1943 forderte die US Air
Force einen neuen Langstreckenjäger für den Schutz ihrer Bomberverbände
mit einer Reichweite von mindestens 4000 km.
Auf Basis der legendären Mustang P-51 entwickelte North American gegen
Ende des 2. Weltkrieges die P-82 mit Doppelrumpf. Es war der letzte
Jäger mit Kolbenmotor, den die USAF bestellte. Als Ausgangsmuster nahm
man zwei P-51H, entfernte den rechten bzw. den linken Flügel, baute ein
neues Zwischenstück mit einem Achsabstand von 4,30 m, ein neues
Höhenleitwerk und ein neues Fahrwerk – fertig war der Prototyp der
Twin-Mustang. Beide Cockpits waren ausgerüstet, wobei der rechte Pilot
nur zur Entlastung bei langen Flügen und für den Notfall zum Einsatz
kam. Die Startleistung der beiden Allison-Triebwerke erreichten zusammen
3.200 PS. Bei einem Startgewicht von immerhin 11264 Kg betrug die
Reichweite 4000 km. Für damalige Verhältnisse waren diese Leistungswerte
schon beachtenswert.
Mein Modell erstand etwa im Maßstab 1:9, wobei es sich nicht um einen
100%igen Scale-Nachbau handelt. Die entsprechenden GFK Rümpfe fand ich
nach langem Suchen in guter Qualität bei der Firma Engel. Die Fläche und
das HWL entstanden in meiner Werkstatt. Für mich ist es eine
Herausforderungen - der Kick - als Modellflieger die Maschinen selber zu
konstruieren und an dem hoffentlich guten Ergebnis viel Spaß zu haben.
Die P- 82 zu bauen entstand aus der Extravaganz des Fliegers, mein Hang
zur Mustang „Dago Red“ und die sehr gute Möglichkeit „heiße“ Triebwerke
einbauen zu können, da sich hinter den Motoren für die Abgasanlage
reichlich Platz anbietet. Wie von einem ehemaligen Pylon-Rennflieger
nicht anders zu erwarten, steht für mich der Top-Speed mit einem
Schub/Gewichtsverhältnis größer eins und hervorragende Flugeigenschaften
im Vordergrund eines jeden Projekts. Es gibt für mich nichts schöneres,
als einen Flieger mit einer senkrechten Beschleunigung. Das Ziel der
Endgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h. Die Scale-Flieger unter Euch
werden mir sagen, daß die Geschwindigkeit nicht zur Modellgröße paßt.
Was wäre jedoch die angepaßte Geschwindigkeit für den Maßstab von 1:9,
etwa 1/9 der Geschwindigkeit der Originalmaschine, also 1/9 von 742
km/h?? Das sind dann mal gerade 80 km/h, aber ich nehme an, daß es
hierfür noch eine andere Umrechnungsmöglichkeit gibt. Das kann es nicht
sein und stimmen kann es auch nicht. Was hilft mir eine Geschwindigkeit
von unter 100 km/h, wenn der Flieger im langgezogenen Looping einen
Strömungsabriß bekommt? Für mich bringt nur der Leistungsüberschuß den
Spaß am Fliegen. Man muß ja nicht immer Vollgas fliegen, aber wenn der
Knüppel nach vorne geschoben wird, muß die „Post“ abgehen.
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Der Antrieb: 2 x
OS RX 61 mit Lötterle-Vergaser, die mit einer APC 11x9 Sport
eine Bodendrehzahl von 14.000 U/Min erreichen |
Für mich war dieses Projekt in dieser Größe ein Prototyp der Prototypen,
ich hatte nie zuvor einen Flieger dieser Größe gebaut. Bei der
Projektierung des Fliegers stand für mich die maximale Geschwindigkeit,
so wie das Handling und die Landegeschwindigkeit im Vordergrund. Unter
gutem Handling verstehe ich bedingungsloses Fliegen bzw. „Jagen“ durch
jede Figur mit fast jeder verfügbaren Geschwindigkeit. Mit meiner
Vorgabe der max. Geschwindigkeit von ca. 200 km/h und einem geschätzten
Abfluggewicht von ca. 8,5 kg errechnete sich schnell das erforderliche
Ca und daraus wiederum das vermeintlich optimale Profil – in diesem Fall
das MH 20 von Martin Hepperle. Um ein gutes Handling im Flug und bei der
Landung zu bekommen, wurde die Flächenbelastung auf ca. 120g/dm²
festgelegt bzw. angestrebt. Daraufhin wurde der Flügel zum Original um
ca. 10% vergrößert, mehr Spannweite und etwas mehr Flügeltiefe. Was ich
nicht bedacht hatte, war die begrenzte Größe des Höhenleitwerks, das
nicht beliebig zu vergrößern war. Die Abstände der Rümpfe begrenzen die
Spannweite des Höhenleitswerks. Um die Optik zu wahren, konnte die Tiefe
des Höhenleitwerks nicht unendlich vergrößert werden. Das MH20 ist bei
hohen Re-Zahlen optimal für schnelles Fliegen und durch seinen S-Schlag
auch nicht auf ein großes Höhenleitwerk angewiesen, wie z.B. das NACA
2415 oder die 64er Serie. Bei dem Höhenleitwerks-Profil entschied ich
mich für das 8%ige NACA 00008. Ein unkritisches Profil für
Höhenleitwerke. Das Höhenleitwerk hat zum Flügel nur eine prozentuale
Größe von 13%. Vergleichbare Baukastenmodelle liegen bei etwa 20%. Die
Größe des Höhenleitwerks bestimmt sich aus dem Hebelarm und der
Flügelfläche. Nach Rücksprache mit Martin Hepperle wurde das Risiko für
ein kleines Höhenleitwerk abgewogen und schließlich bei dem verwendeten
MH20 als unkritisch eingestuft. Als Maßstab wurde die schon recht kleine
Leitwerksgröße der aktuellen Pylon-Modelle hinzugezogen. Das
Höhenleitwerk der P-82 wurde jedoch noch einmal um ca. ¼ kleiner!
Twin Dago vor dem
Erstflug
Bei der Auswahl der Profile scheiden sich auch heute noch die
„Modellflieger-Geister“. Die einen schwören auf altbewährte wie z.B. die
NACA-Serie 24... oder 63...., 64.... und anderen unter uns nutzen die
Möglichkeiten der extra für die Verhältnisse im Modellflug entwickelten
Profile z.B. Eppler, MH, Quabeck, RG usw.. Eines steht sicher
unumstritten fest: fast alle verfügbaren NACA-Profile sind in den 30er
Jahren für die Großfliegerei entwickelt worden, mit dem damals
verfügbaren Wissen! Wenn man den Befürwortern der alten Profile Glauben
schenken darf, hat sich in der Profilentwicklung für Flugzeuge in 70
Jahren nichts geändert, oder??!!
Der Flügel wurde konventionell in Styro-Abachi-Bauweise ausgeführt. Um
meinen Vorstellungen für die Flugfähigkeiten dieses Ausnahmefliegers
gerecht zu werden, wurde der Flügel rechts und links neben den Rümpfen
mit zusätzlichen Holmen aus Sperrholz und Kohlerowings sowie Glasgewebe
ausgestattet, denn 30 g sind schnell erreicht. Der Flügel besteht aus
drei Teilen, dem Mittelteil und den beiden Außenteilen mit einer V-Form
von 4°. Der Flügel hat keine konstruktive Schränkung. Nach Angabe von
Martin Hepperle ist eine Schränkung des Flügels erst erforderlich, wenn
eine Zuspitzung des Flügels auf weniger als 60% vorliegt. Der
Nullauftrieb des Profils MH20 liegt bei –0,4°. Das erforderlichen Ca
(Auftrieb) ergibt sich aus der Flächenbelastung und der
Fluggeschwindigkeit:
Die gewünschte Geschwindigkeit beträgt ca. 55m/s bei einer
Flächenbelastung von angenommenen 120d/dm² = 12kg/m². Daraus errechnet
sich ein Ca von ca. 0,06 und daraus eine EWD (Einstellwinkel-Differenz)
am Wurzelprofil von ca. + 0,7°. Da das Profil bei –0,4° seinen
Nullauftrieb hat, ergibt sich eine gemessene EWD von +0,3°. Das MH20
wurde für das Mittelteil von mir auf 11% aufgedickt um das
Einziehfahrwerk besser einbauen zu können. Außen liegt das originale
Profil mit 9% Dicke an. Landeklappen gibt es nur eine zwischen den
Rümpfen, die bei der Landung auf ca. 30° ausgefahren werden soll.
Nach längerer Diskussion mit Martin Hepperle sind wir für die Landung
auf folgende Konstellation der Klappeneinstellung übereingekommen:
Querruder ca. 5° nach Oben und die Landeklappe ca. 30° nach Unten
fahren. Auf weitere Landehilfen wurde verzichtet. Wie es sich in der
Flugpraxis bewährt, muß sich bei den anstehenden Flugversuchen noch
zeigen. Bei meiner kleinen Mustang P-51(ARF) mit dem NACA 2415 fahre ich
die Querruder gar 12° nach Oben. Seit dem ist das Landen bei jedem Wind
um ein Vielfaches einfacher geworden. Dieses muß sicher für jedes Profil
ausprobiert werden, aber ich bin sicher, daß jeder Flügel dadurch
stabiler fliegt. Die Querruder fahre ich erst bei erreichter
Landegeschwindigkeit nach Oben, um mir das zumischen von Tiefenruder zu
ersparen. Werden die Querruder bei zu hoher Geschwindigkeit
hochgefahren, steigt der Flieger ein wenig nach Oben, das mit leichtem
Nachdrücken jedoch für jeden Pilot kontrollierbar ist.
Die P-82 ist für jede Klappe mit einem Servo ausgerüstet, was sich auf
10 Servos summiert. Drei Servos in jedem Rumpf und vier Servos im
Flügel. Die Empfangsanlage besteht aus zwei Empfänger, zwei 5-zelligen
NiMh-Akkus von 1700 mA und zwei Schaltern. Die Maschine könnte sicher
auch bei dem Ausfall einer Empfangsanlage gelandet werden. Um das zu
erreichen, wurde das Höhenruder geteilt und mit zwei Servos angesteuert.
Die Schalter für den Empfängerstrom sind so modifiziert, daß sie beim
Öffnen des Kontaktes den Empfänger mit Strom versorgen und nicht wie
üblich beim Schließen des Kontaktes. Das hat den Vorteil, daß der
Schalter einen Totalausfall haben kann ohne jeden Einfluß auf die
Stromversorgung. Nach dem Einschalten kann man die Schalter abkneifen
ohne die Stromversorgung zu unterbrechen. Diese Methode ist eine
einfache Möglichkeit die Stromversorgung bei dem Ausfall der
Schalterkontakte zu sichern.

Wenn eine 2-Motorige
Maschine zum Start rollt ist die Spannung immer groß
Bei den Rümpfen handelt es sich um P-51 D-Exemplare, die für meine
Zwecke noch stark modifiziert werden mußten. Das Höhenleitwerk liegt bei
der P-82 ca. ¼ der Höhenleitwerkstiefe weiter zurück und in der Höhe der
Seitenruder-Finne. Die vorhanden Höhenleitwerksanschlüsse habe ich
herausgesägt und der Rumpfform angepaßt. Um das Höhenleitwerk nach
Hinten versetzen zu können, mußte das Seitenleitwerk am Rumpf um 3 cm
verlängert werden. Alles in Allem Änderungen, die mich dazu bewogen nach
überschlägiger Schwerpunktberechnung die Motore möglichst weit nach
vorne zu platzieren. Die Motorhauben waren für 100er Spinner vorgesehen,
somit für eine Verlängerung von 2,5 cm gut geeignet. Der übergroße
Spinner wurde dabei auf 70 mm Durchmesser reduziert. Die von mir
ausgewählten Alu-Spinner von der Firma Krumscheid mußten für einen guten
Rundlauf in der Nut und für die Stabilität bei hohen Drehzahlen an der
Befestigung etwas modifiziert werden. Eine weitere Änderung an den
Rümpfen wurde an den Flächenanschlüssen vorgenommen. Der originale
Flächenanschluß wies eine EWD von etwa +2,5° auf. Durch das schlankere
MH20 und der erforderlichen EWD von nur 0,3° mußte ich den
Flächenanschluß um ca. 5 – 7 mm aufdicken. Warum einige Hersteller eine
derart hohe EWD einbauen bleibt sicherlich ihr Geheimnis. Ich meine:
Drachenbau ist eine andere Sparte! Die gleiche Problematik fand ich bei
meiner kleinen Kyosho-Mustang vor: ca. 2,5° EWD und 2° Motorsturz bei
dem NACA-Profil 2415. Das Profil hat den Nullauftrieb bei –1,5°, d.h.
der Flieger hatte eine rechnerische EWD von 4°!! So ein Flieger fliegt
dann wahrscheinlich wie eine „Plastiktüte“. Bei dieser Einstellung
entsteht ein Drachen-Effekt. Durch den übergroßen Motorsturz wird der
Flügel mit überhöhter EWD wie ein Drachen angeblasen. Mit dieser
Einstellung kann wunderbarer Langsamflug demonstriert werden ohne am
Höhenruder zu ziehen. Ich habe noch keinen Flieger mit einer derartigen
Einstellung geflogen und das wird auch nicht vorkommen. Wenn ich einen
Motorflieger baue, soll mir die Motorleistung maximalen Vorschub
bringen. Den erforderlichen Auftrieb muß der Flügel mit einem
ausgewähltem Profil bei geringstem Widerstand bringen. Viele
Modellflugprofile haben die Angaben für den Nullauftriebswinkel und den
Anstellwinkel, bei dem das Profil den geringsten Widerstand erzeugt.
Diesem Thema sollten sich mal die Modellflieger annehmen, die sich mit
dieser Materie grundlegend auseinandergesetzt haben um fundiertes Wissen
weiterzugeben.
Nun zum Antrieb der Twin-Mustang. Für mich stellt der Antrieb immer das
Herzstück neben eines guten Flügels bei einem Motormodell dar. Die
Anforderungen an den Antrieb sind einfach definiert:
- sicheres Anspringen
- sicherer Drossellauf
- stufenlose Gasannahme
- angenehmes Betriebsgeräusch
- guter Temperaturhaushalt
- maximale Leistungsausbeute
- Gebrauch von max. 10% Ölanteil
- wenn möglich kein Nitroanteil

Konzentrierte
Startvorbereitung gehört zu jedem Flug, insbesondere bei einer so
schnellen Maschine
Für meine P-82 habe ich mich für 2 x OS RX 61 entschieden. Es handelt
sich hierbei um Hubschraubermotoren mit Heckauslaß. Somit kann das
Resonanzrohr im Rumpf verschwinden. Wie erreicht man nun die
aufgestellten Anforderungen? Ich will an dieser Stelle nicht in die
Motorentechnik bzw. Abstimmung einsteigen, nur so viel; die OS Motore
sind von mir neu gelagert worden um einen einwandfreien mechanischen
Lauf zu gewährleisten. Die verbrauchten Stahlgarnituren wurden gegen
eine AAC-Garnitur ausgetauscht und mit dem 11 mm Schiebervergaser und
externem Düsenstock von Lötterle ausgestattet. Die S-Krümmer aus
Edelstahl mit einem Innendurchmesser von 19 mm habe ich aus Komponenten
von Harald Zimmermann passend zum Rumpf selber gefertigt. Die
Resonanzrohre mit Gegenkonus sind von dem italienischen Hersteller Picco
und von mir auf eine Länge von 33 cm ab Motorflansch für eine Drehzahl
von ca. 15.000 U/Min abgestimmt worden. Bei den Glühkerzen handelt es
sich um Nova-Rossi 4 im Vertrieb der Firma Robbe. Die automatische
Kerzenglühung für einen sicheren Drossellauf wird von der Firma Simprop
hergestellt. Der von mir verwendete Treibstoff mit 10% Ölanteil (2%
Rizinus und 8% EDL-ÖL) wird ebenfalls von Simprop vertrieben. Als
Luftschraube verwende ich eine APC 11x9, die von beiden Motoren auf 100
Umdrehungen genau immerhin auf 14.000 U/Min gedreht wird. Im Flug
vermute ich in der Spitze Drehzahlen von ca. 16.000 U/Min. Für viele
Piloten unter euch sicher ein Bereich, der nicht akzeptabel ist. Sicher,
ich werde diese Maschine nicht im Siedlungsgebiet fliegen und es handelt
sich auch nicht um einen „Altagsflieger“ der jeden Tag 10 Starts macht
und alle Anwohner nervt. Es gibt folgendes zu bedenken; stellt euch vor,
Millionen von Zuschauern an den Fernsehern müßten sich alle 14 Tage 2
Stunden Formel 1-Rennen ansehen und hören anstatt mit schätzungsweise
120 db mit 82 db. Da würde doch ein wichtiges Detail dieses Spektakels
fehlen, oder? Oder die vielen Autos, die mit über 80 db zum
„Brötchenholen“, zum Fußballspiel oder zum Theater fahren. Und die nicht
zu vergessen, die vorgestern mit über 80 db zur Disco gefahren sind, in
der mindestens ein Lärmpegel von 120 db vorzufinden ist. Woher nehmen
sich da die Nörgler unter den Menschen das Recht unseren tollen und
hochtechnisierten Sport zu kritisieren? Seit ca. dreißig Jahren wird
unsere Gesellschaft immer Technik-feindlicher und das Ergebnis davon ist
der eklatante Mangel an fähigen Ingineuren und Technikern und somit
Menschen, die Spaß an der technischen Weiterentwicklung haben. Heute
wird mehr Wert auf die Weiterentwicklung der Aktienkurse gelegt. Stellt
euch vor, ihr kauft in 10 Jahren einen Motor und der hat den technischen
Stand von vor 20 Jahren, oder ihr wollt ein Auto kaufen und es gibt
keinen Ingineur, der es bauen kann, oder in 25 Jahren gibt es keinen
Ingineur, der die Atomkarftwerke demontieren kann?!! Dies soll kein
Aufruf zum „Krachmachen“ sein, sondern nur zu Denken geben. Die, die am
lautesten schreien, bekommen in der Regel immer Recht.

Eine letzte
Ruderkontrolle vor dem Take off
Es gibt unter den
Motorfliegern Modelle mit industriell gefertigten und über den deutschen
Handel vertriebenen Motorkomponenten, die man getrost als „Krawalltüte“
bezeichnen muß und das bei nicht mehr als 12000 U/Min. Man kann sich des
Eindrucks nicht erwehren, der Handel und die Industrie wolle auf diesem
Wege die Motorfliegerei „abschaffen“. Und da gibt es auch Modelle, die
mehr als 82 db messen und sich in der Luft angenehm und faszinierend
anhören, eben einen tollen Sound haben. Kurz und gut, ein Motormodell
benötigt ein zugehöriges Motorgeräusch um ein vollwertiger Motorflieger
zu sein. Es hat eben nicht jeder das Interesse lautlos zu fliegen. Der
Mensch hat mehrere Sinne. Das tägliche Essen schmeckt doch auch nicht
nur über die Zunge, sondern Nase und Augen essen auch mit.
Zurück zu meinem Flieger. Zwei Motore in einem Flieger bei gleicher
Drehzahl ergeben immer einen tollen Sound! Während ich diese Zeilen
schreibe, ist die Twin-Mustang noch im Rohbau, aber ich werde das
Ergebnis der Lautstärke nach nachreichen.

Eine beeindruckende
Maschine
Mein Ziel liegt darin das
Schub/Gewichtsverhältnis über eins zu bringen. Das kann nur eines zur
Folge haben, stake Motore und einen leichten Flieger. Ich habe bei den
Motorkomponenten noch die Spritversorgung unterschlagen. Hier kommen
zwei Bubbless-Tanks mit je 500 ccm Inhalt zum Einsatz. Der Bubbless-Tank
ist kein konventioneller Tank mit Pendel, sondern der Tank besitzt eine
Kautschukblase, die den Sprit aufnimmt. Der Druckaufschlag vom
Resonanzrohr ist an den Zwischenraum zwischen Tankgehäuse und Blase
angeschlossen. Die Blase wird vor dem Betanken evakuiert und dann erst
mit Sprit gefüllt. Diese Variante der Spritversorgung garantiert eine
blasenfreie Spritversorgung zum Vergaser und kein Abmagern des Motors
bei fallendem Spritspiegel. Ein Motorausfall durch schlechte
Spritversorgung kann ich mit diesem System ausschließen. Bei 2-Motorigen
Fliegern ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Es wird von vielen
Motorfliegern das Problem „Tank“ für Motorausfälle als solches nicht
erkannt. Woher soll man das auch wissen, die Tanks sind zu dem in Europa
auch nicht zu bekommen! Bei der Einheit „Motor“ ist eben für den
sicheren Lauf alles Zugehörige mit verantwortlich und gewissenhaft
einzubauen. Viele Motor-Probleme sind von dem Erbauer hausgemacht. Hier
sollte u.A. der Kontakt zu Wettbewerbsfliegern gesucht werden, denn die
sind auf den sicheren Motorlauf angewiesen und verfügen über das
notwendige Know How.

Geschwindigkeiten von
weit über 200 km/h fesseln jeden Zuschauer bei ihrem Flug
Die Bauausführung für die Klappenaufhängung bzw. die Lagerung ist
bestimmt noch von Interesse: das Ziel für jede Klappe kann nur
„spaltfrei“ sein. In der Voll-GFK-Technik ist es heute Standart, jedoch
nicht unbedingt in der Styro-Abachi-Ausführung. Die von mir angewandte
Technik ist die gleiche wie in der GFK-Ausführung. Zwischen Styro und
Abachi liegt eine Lage 80g Gewebe und eine Lage Abreißgewebe. Die
Abachioberfläche wird mit einem schmalen Sägeblatt bis auf das Gewebe
durchtrennt bzw. geschabt. Die Fläche von Unten bis auf das Gewebe
aufgeschnitten und schon ist die Klappe fertig. Die seitlichen Schnitte
werden verkapselt, mit Holz oder einfach mit Harz. Bei der Bearbeitung
der Klappen von Unten gibt es die Möglichkeit den Spalt als Keil
auszubilden oder ein „einlaufendes Ruder“ zu bauen. Es gibt auf jeden
Fall kein Ruderspalt und somit auch keine Gefahr des Ruderflatterns
durch zu weiche Aufhängungen und zu große Spalte. Ruderflattern entsteht
in der Regel aus einem „Höhenschlag“ der Klappe und nicht unbedingt aus
dem Spalt zwischen Ruder und Flügel. Eine Klappe mit Hohlkehle gebaut,
kann bei einem Höhenschlag trotzdem zum Flattern neigen. Die Hohlkehle
ist also nicht das Maß aller Dinge.
Die Oberfläche des Flügels und des Höhenleitwerks habe ich mit Orastick
Klebefolie hergestellt. Die Rümpfe sind mit Orapaint gespritzt. Die
Farbe läßt sich wunderbar verarbeiten und ist nach einer guten halben
Stunde schon transportfähig. Die gelben und weißen Streifen sind in
„Sisyphos-Arbeit“ mit der Solartrim-Folie von Robbe entstanden. Eine
tolle Klebefolie, hauchdünn und sehr elastisch. Für den Einsatz auf
gewölbten Oberflächen eine gute Wahl. Die Beschriftung entstand durch
den Schneidplotter eines befreundeten Modellfliegers.
Und „schon“ ist die P-82 Twin Mustang im „Dago Red“ Design fertig. Nach
8-monatiger Bauzeit fehlte mir nur noch ein schöner Name für dieses
Fluggerät. Aus Twin Mustang und Dago Red entstand kurzerhand der neue
Name „Twin Dago“.
Zum wiederholten Mal legte ich die Mustang auf meine Schwerpunktwaage
und schielte nach dem errechneten Schwerpunkt. Ich benutze hierfür eine
Software, die von Jörg Rußow und Peter Erang vor 10 Jahren zur
Ermittlung des Schwerpunktes entwickelt wurde. Eine feine und einfache
Sache, die schnell das richtige Ergebnis erzielt. Die gesamte
Flügelgeometrie von Fläche und Höhenleitwerk, sowie der Hebelarm gehen
in die Rechnung ein. Es werden dann zwei Schwerpunktlagen angegeben:
einmal 8% und zum anderen 16% vor dem Neutralpunkt. Der unkritische
Schwerpunkt ist der bei 16% vor dem Neutralpunkt. Ab 5% vor dem
Neutralpunkt beherrschen nur noch die absoluten Könner unter uns die
Maschine. Ich stellte die Twin Dago für den ersten Flug auf den
12%-Punkt ein, also mitten drin auf „Nummer Sicher“.
Der erste Start stand nun unmittelbar bevor und zum x-ten mal probierte
und testete ich in meiner Werkstatt die Funktionen des Fliegers. Wie bei
der Hubschrauberfliegerei gelernt, ist auf „Idle normal“ alles
programmiert, was für das Anlassen der Motoren und dem Start
erforderlich ist. Für den Start und die Landung habe ich gern etwas
kräftigeren Ausschlag aller Ruder zur Verfügung als während des Fluges.
Das bedeutete an allen Rudern (Quer- und Höhe) einen Ausschlag von ca.
15° (man weiß ja nie wozu man sie braucht). Da ich gern scharfe
Ausschläge und präzises Fliegen bevorzuge, wurde Quer und Höhe mit 40%
und Seite mit 80% Expo belegt. Die Kerzenglühung legte ich in allen
Flugzuständen auf einen Schalter und zusätzlich als Zumischung auf den
Gasknüppel. Die Klappe im Mittelteil des Flügel ließ ich bei meiner
Belegung auf dem Kanalschalter für die manuelle Bedienung außen vor. In
„Idle 1“ wurde das gleiche Programm mit ca. 10° Klappenausschlägen
kopiert, nur für den Fall, daß 15° nicht beherrschbar waren. Dieses
Programm kopierte ich nun für die Landung in „Idle 2“ und für den Flug
in „Idle 3“ und „Idle 4“. In Idle 2 für die Landung wurden lediglich zu
Idle normal die Querruder ca. 10° nach oben gestellt, so wie bei meiner
kleinen Mustang und nicht wie mit Martin Hepperle abgesprochen lediglich
5°. Für den eigentlichen Flug wurde in Idle3 das Fahrwerk eingezogen und
die Klappenstellungen auf 10° eingestellt, wie in Idle 4 mit
Klappeneinstellungen von unter 10°. Die Angelegenheit hört sich wilder
an als sie ist. Das Grundkonzept liegt darin während des Fluges
möglichst wenig Schalter zu bedienen. Für den Start benötige ich in der
Regel nur Idle normal, für die Landung Idle2 und für den Flug Idle3. Die
anderen beiden Flugzustände sind nur für den Fall, daß die Ausschläge zu
scharf sind und ich eine Ausweichmöglichkeit während des Fluges habe.
Somit ging eigentlich alles automatisch bis auf das Herausfahren der
Landeklappe. Ich hatten am Schalter zwei Positionen zur Auswahl, 15 und
35°. Die richtige Position für die Landung wollte ich erst im Flug mit
viel Luft unterm Flügel ausprobieren.
Als nächster Checkpunkt auf meiner Liste stand die Überprüfung der
beiden Motore im Modell. Die Prüfstandversuche sollten sich im Modell
bestätigen. Außerdem mußte das thermische Verhalten der Motore und der
Resonanzrohre im Rohrtunnel beobachtet und überprüft werden. Denn nur
sicher laufende Motore erhalten bzw. verlängern das Leben der Twin Dago.
Die Luftzuführung über den Zylinderköpfen und die kleinen Lufthutzen
sollten für die Kühlung der gesamten Einheit ausreichen. Der Tunnel ist
im Durchmesser konisch ausgeführt und öffnet sich von 45mm hinterm Motor
auf 60 mm an der Auslaßöffnung. Die große Auslaßöffnung funktioniert
vergleichbar mit einem Diffusor. Die richtige Funktion kann jedoch nur
im Flug erprobt werden. Die Versuche im Stand sollen nur erste
Anhaltspunkte geben.
Nach dem Betanken mit 2 x 500 cm³ wird der Anlasser aufgesetzt,
angesaugt bis der Motor leicht läuft, die Glühung über den Schalter für
den rechten Motor aktiviert und schon kommt Leben in die Maschine. Mein
Anlasser betreibe ich übrigens mit 14 NC-Zellen bei einer Drehzahl von
ca. 6000 U/Min unter Last. Die erste Eintellung erfolgt mit der
Hauptnadel bei Vollgas des Motors. 14000 U/Min zeigt der Drehzahlmesser
wie auf dem Prüfstand. Nach einiger Probiererei läuft der Motor in allen
Drehzahlbereichen gut durch. Die gleiche Prozedur geschieht mit dem
zweiten Motor und als Letztes werden beide Motore angeworfen. Bei
Vollgas laufen beide Motore bemerkenswert gleich und mit einem
eindrucksvollem Sound. Im Mittelgasbereich gibt es jedoch eine Drehzahl,
bei der der rechte Motor etwas hinterher hinkt. Dieser Bereich befindet
sich genau da, wo die Motore in Resonanz fallen. Durch die kurze
Rohrabstimmung fällt dieser Drehzahlereich sehr schmal aus. Obwohl die
Motore exakt gleiche Rohrlängen haben, sind sie im Laufverhalten leicht
unterschiedlich. Während des Fluges muß dieser Drehzahlbereich also
gemieden werden, um den Gleichlauf der Motore zu wahren. Das leicht
ungleiche Laufverhalten könnte sich nach der Einlaufphase, die in der
Hauptsache während der Flüge erfolgt noch etwas angleichen. Als einzige
Änderung fertigte Herr Lötterle für mich neue Nadeln für den
Hauptdüsenstock mit einem um 2° verringertem Nadelkonus. Dadurch
erreichte ich einen vergrößerten Einstellbereich an der Düsennadel. Der
Bereich veränderte sich dadurch etwa um eine ¼ Umdrehung.
Sollte es jedoch trotz alledem einmal zu einem Motorausfall kommen, hat
die Twin Dago die besten Voraussetzungen für eine Zweimotorige Maschine
diese Situation ohne große Probleme zu überstehen. Das Achsmaß der
Motore beträgt lediglich 46 cm, also nur 23 cm aus der Längsachse des
Modells versetzt. Je kleiner dieses Maß, um so weniger Wirkung müssen
die Seitenleitwerke bei einem Motorausfall bringen. Wenn die
Motorleistung in Bezug zum Achsmaß die Stabilität des Seitenleitwerks
bei einem Motorausfall übersteigt ist der Absturz nicht mehr zu
vermeiden.
Dem Jungfernflug steht jetzt nichts mehr im Wege und ich wartete auf
gutes Flugwetter. Ich wünschte mir für den Erstflug eine ruhige
Wetterlage, bedeckten Himmel mit einem leichten Wind aus Ost oder West.
Wie so oft im Leben kann man nicht alles haben. Am Tag X hatten wir
„Terrassenwetter“ oder auch „Grillwetter“ genannt. Der Flieger wurde im
Kombi verstaut und dann ging es mit meinem langjährigen Fliegerkollegen
Heinz Merschbrock (wir sind gemeinsam durch alle Höhen und Tiefen der
Pylon-Fliegerei gegangen) ab zum Flugplatz. Der Flieger besteht aus vier
Bauteilen, die mit 12 Nylonschrauben verschraubt werden. Vor dem
Flügelanbau werden ein letztes Mal alle Steckverbindungen und
mechanische Anschlüsse überprüft und erst dann der Flügel aufgesetzt und
mit 8 Schrauben mit den Rümpfen verbunden.
Nun schalte ich den Sender im Flugzustand Idle normal ein und
nacheinander die beiden Empfangsanlagen. Das Fahrwerk fährt aus und der
Flieger wird jetzt auf die Räder gestellt. Nach der Tankprozedur
(Evakuieren und Betanken) werden die Motore noch einmal auf ihren
Gleichlauf überprüft und besonders darauf geachtet, daß sie nicht zu
mager laufen. Die Spannung steigt, während die Twin Dago zur Startbahn
rollt. Ein letzter Rudercheck und volle Konzentration auf das Modell.
Der Schweiß stand mir nicht nur auf der Stirn, denn ich war gerade im
Begriff meine 8-monatige Arbeit aus den Händen zu geben und wer weiß, ob
ich sie in diesem Zustand noch einmal sehen würde, im „Dago Red“ Design
Ferrarirot mit gelben und weißen Streifen. Eine imposante Erscheinung.
Die Motore tuckern im Standgas und warten auf meinen Befehl. Langsam
schiebe ich das Gas, etwa bis zur Hälfte rein und staune über die
Reaktion des Fliegers. Drei Meter geradeaus und dann ein scharfer
Linksbogen trotz sofortigem Gegensteuern mit dem Seitenruder. Ich hatte
den Eindruck, daß die Maschine irgendwie schwer rollte. So geht das
nicht, also zurück zum Start. Ich erinnerte mich an das Startverhalten
meiner Pylon-Renner, die mußten in der Startphase mit Seiten- und
Querruder rechts auf Kurs gehalten werden. Querruder leicht und
Seitenruder voll rechts, so ging es in den zweiten Versuch. Mit ganz
langsamer Beschleunigung durch sehr vorsichtiges Gasgeben etwa bis ¼ des
Weges, konnte ich die Maschine halbwegs auf Kurs halten. Diese Prozedur
wiederholte ich noch einmal, bis es mir mit Mühe gelang die Maschine
geradeaus und dann nach ca. 80 m links ausbrechend vom Boden abzuheben.
Sofort schob ich Vollgas rein um über den angrenzenden Stahlzaun von
2,5m Höhe zu kommen. Das Drehmoment der zwei linkslaufenden Motore ließ
die Maschine für einen kurzen Moment nur mit voll Querruder rechts gen
Himmel steigen. So schwierig hatte ich mir den Start nicht vorgestellt,
aber jetzt flog das Gerät erst einmal. Der nächste Schock folgte, da die
Maschine schon bei Halbgas eine starke Neigung zum „Wegsteigen“ hatte.
Zu meinem Entsetzen mußte ich die Höhenrudertrimmung ganz auf Tiefe
schieben. Mit Halbgas zog ich nun meine Kreise durch den Himmel und
gewöhnte mich an die Reaktionen des Fliegers. Die Maschine hing sehr gut
am Knüppel, so daß ich die Vergaser ganz aufschob und nicht schlecht
über die erreichte Höchstgeschwindigkeit staunte. Nach einigen Runden
und Überflügen versuchte ich mir eine Landung vorzustellen. Nach zwei
Versuchen mit gedrosselten Motoren und viel zu schnellen Anflügen,
entschied ich mich beim dritten Anflug die Maschine aufzusetzen. Ich
hatte für diese Landung keine der Klappen ausgefahren. Die Twin Dago
verringerte nur sehr langsam ihre Geschwindigkeit, so daß ich bei diesem
Versuch wieder zu schnell hereinkam. Egal, der Anflug war sauber und die
Maschine setzte butterweich auf der Piste auf. Urplötzlich gab es ein
lautes Krachen und die P-82 legte sich mit einer halben Piorette auf den
rechten Flügel. Das Fahrwerk schien die Landung nicht überstanden zu
haben. Durch die kompakte Bauweise dieses Fliegers war nichts weiteres
geschehen. Das linke Fahrwerksbein hatte sich im Kunststoffschwenkteil
des Einziehfahrwerkes gedreht und im rechten Fahrwerk war das
Schwenkteil in der Mitte auseinander gebrochen. Der 4mm Draht war nicht
unbedingt die Schwachstelle sondern das Kunststoffteil im
Einziehfahrwerk, daß den Draht aufnimmt. Hier zeigte sich meine
Null-Erfahrung mit Fliegern über 5 kg. Die Freude über den gelungenen
Jungfernflug war doch ein wenig getrübt durch das schlechte
Startverhalten und dem Wegsteigen des Fliegers.
Für den nächsten Flug sollte beim Fahrwerk Abhilfe mit einem erodiertem
Aluschwenkteil und einem Stahldraht mit 4,5 mm geschaffen werden. Die
Alu-Teile wurden von einem Fliegerkollegen in seinem Betrieb auf einer
Erodiermaschine hergestellt. Den Stahldraht mit der erforderlichen Feder
bog mir ein Fliegerkollege auf seine speziell für Fahrwerksdraht
angefertigten Biegemaschine. Nach dem Einbau probierte ich in meiner
Werkstatt mit dem Flieger einige simulierte Landungen in Form von „aus
20cm Höhe fallen lassen“. Es stellte sich heraus, daß der Stahldraht in
der Feder keine Spannung hatte und sich hin und her biegen ließ. Nach
einigen Telefonaten mit Schlossern und Werkzeugmachern wurden die
Fahrwerksbeine gehärtet. In meiner Werkstatt wurde dazu verdunkelt und
mit dem Gasbrenner der Draht dunkelrot zum Glühen gebracht und sofort
danach in Heizöl getaucht. Das Ergebnis war verblüffend. Die gebogene
Feder hatte soviel Spannkraft, daß das Gewicht der Maschine aufgenommen
wurde. Problem eins schien gelöst zu sein. Problem zwei des Wegsteigens
wurde kurzerhand mit der Veränderung der EWD auf 0° begegnet. Da der
Flügel vorne wie hinten mit Schrauben befestigt war, stellten sich dabei
keinerlei Probleme ein. Das dritte Problem war da schon etwas
schwieriger zu lösen. Für mich kamen da nur zwei Möglichkeiten in
Betracht, mehr Motorzug rechts und ein vergrößerter rechter
Seitenruderausschlag. Mit dem Verändern des Seitenzuges war das so eine
Sache, denn die gesamte Befestigung einschließlich der Resonanzrohre war
nicht so einfach zu verschieben. Die Resonanzrohre sind am Endrohr
befestigt und haben keine Möglichkeit einer seitlichen Verschiebung.
Somit konnten nur die Motore etwas seitlich verschoben werden, was etwa
eine Veränderung des Seitenzuges von maximal 0,5° ergab. Der
Seitenruderausschlag rechts wurde jeweils von 20° auf 35° vergrößert und
war damit auch ausgereizt.
Mit diesen Modifikationen ging es zwei Wochen später wieder an den
Start. Das Ergebnis der Modifikationen war verblüffend. Bei den ersten
Rollversuchen stellte sich heraus, daß die Maschine mit halbem
Seitenruder rechts problemlos auf Kurs gehalten werden konnte. Was war
passiert: Das Fahrwerk war in seinem Aufbau härter geworden und hielt
den Flieger dadurch besser in der Spur. Das Rollverhalten der Maschine
war nicht wieder zu erkennen. Ich rollte den Flieger bis ans Ende der
Startpiste und hatte nun eine Länge von über 150 m zur Verfügung. Ganz
gemächlich mich langsamer Beschleunigung ließ ich die P-82 über die
Piste laufen. Bei ¼ Gas und einer Rollstrecke von ca. 100 m ließ ich die
Maschine abheben. Sofort nach dem Abheben schob ich das Gas bis auf ca.
50% rein. Der Start war schon einmal reibungslos und schnurgerade
gelungen. Jetzt beschleunigte der Flieger zügig und immer noch mußte ich
Tiefenruder trimmen, nicht mehr so viel wie beim ersten Start, aber der
Auftrieb schien immer noch zu groß zu sein. Während des Fluges begann
ein Motor plötzlich zu spinnen. Gas rein und Gas raus, aber nur bei
einem Motor. Gleichzeitig stieg der Flieger beim Hochdrehen des Motors
nach oben weg. Eine nicht definierbare Störung des Fluges. Eine
Außenstörung schloß ich aus, da das Wegsteigen weich vor sich ging. Da
ich PCM flog, kam noch ein Ackufehler in Betracht oder fehlender Empfang
und das Auslösen der Fale Safe Funktion. Die Angelegenheit war mir
jedoch nicht geheuer und so entschloß ich mich zur Landung. Ich
probierte nun die Funktion der Klappen und deren Wirkung aus. Gas auf
Standgas, den Flieger etwas abbremsen und den Schalter auf Flugzustand
Idle 2 umschalten. Bei Idle 2 fahren die Querruder ca. 10° nach oben. Im
selben Moment dachte ich „der Flieger war wohl noch ein wenig zu
schnell“, denn er nahm schlagartig die Nase nach oben. Nur mit Mühe
konnte ich den Flieger wieder in die Horizontale bringen. Während die
Maschine weiter an Fahrt verlor, stabilisierte sich der Horizontalflug
ohne daß ich mit Tiefenruder korrigieren mußte. Als nächsten Versuch
fuhr ich die zwischen den Rümpfen liegende Landeklappe auf ca. 15° nach
unten. Der Flieger flog immer noch sehr stabil und ich entschloß mich
daher mit dieser Konstellation zur Landung anzusetzen. In einer Höhe von
10m erreichte ich die Landebahn, natürlich viel zu hoch, aber wofür hat
man denn ein Tiefenruder. Ich drückte die Maschine bis kurz vor dem
Aufsetzen an ohne daß sie Fahrt aufnahm. Es folgte eine butterweiche
Landung, wie es sich eben so gehört. Bis auf den immer noch zu großen
Auftrieb funktionierte alles planmäßig. Das Fahrwerk stand wie eine
„Eins“ und die Motore liefen durch die Glühelektronik im Standgas ohne
Probleme. Die größte Sorge galt nach diesem Flug der undefinierbaren
Störung. Sicher, mit den Klappenstellungen mußte ich noch einiges
erproben bis die endgültigen Stellungen erreicht waren.
Was war jedoch mit dem zu großen „Auftrieb“ los, woher resultierte
dieses Verhalten? Nach allem was man so errechnen konnte, hatte ich
schon zu wenig Auftrieb, aber wie heißt es so schön: „Hoch lebe die
Theorie, in der Praxis klappt´s nie“. Eine Möglichkeit bestand darin,
den Flieger einfach langsamer zu machen?! Eine andere Möglichkeit ist
eine Vergrößerung des Motorsturzes. Beides sind jedoch keine Mittel um
mein gestecktes Ziel zu erreichen: einen schnellen zweimotorigen Flieger
zu bauen. Zu viel EWD ist nichts und zu viel Motorsturz ebenfalls. Ich
entschloß mich dazu die EWD weiter zu verringern. Der neue Wert lag
jetzt bei –0,4°, also den Wert, bei dem das Profil seinen Nullauftrieb
hatte. Gleichzeitig verschob ich den Schwerpunkt um 5 mm nach hinten.
Durch die Verschiebung lag der Schwerpunkt jetzt etwa 10% vor dem
Neutralpunkt. Ich versprach mir eine etwas verbesserte Höhenruderwirkung
von dieser Maßnahme und eine Gewichtsreduzierung von immerhin 80 Gramm.
Nach dem ich bei keinem Acku einen Fehler feststellen konnte, weder
durch klopfen, schütteln, entladen und aufladen, legte ich als Maßnahme
gegen die nicht definierbare Störung die Antennen aus den Rümpfen heraus
und spannte sie zum Seitenleitwerk ab.
In diesem Sinne - auf zum dritten Start. Die Freude über den gelungen
Flug war groß, aber die Enttäuschung über den immer noch „tief
getrimmten Flieger“ ebenso. Alles funktionierte prima, der Flieger lief
bei entsprechender Trimmung wie auf Schienen und lud mich zum „Jagen und
Heizen“ ein. Die Motore entwickeln einen tollen und angenehmen Sound,
trotz der recht hohen Drehzahl. Ich habe es bis heute versäumt bei dem
Flieger die versprochene Lärmmessung zu machen. Bis jetzt hat sich
jedoch noch niemand meiner Vereinskollegen über ein zu lautes
Motorengeräusch geäußert, im Gegenteil. Das angenehme Motorengeräusch
wird allgemein als „Klasse“ eingestuft.
Während meines vierten Fluges ohne jegliche Modifikation am Flieger
sollte nun die Höchstgeschwindigkeit gemessen werden. Zu diesem Zweck
diente uns eine Radarpistole, die recht brauchbare und reproduzierbare
Werte lieferte. Bei den Messungen wurden meine Erwartungen noch
übertroffen. Die Twin Dago schaffte im horizontalen Flug ohne Abschwung
eine Geschwindigkeit von guten 220 km/h und aus dem Abschwung heraus
sage und schreibe 280 Sachen. Das kann sich doch schon sehen lassen. Mit
etwas Motortuning und gut abgestimmten Luftschrauben ist hier sicherlich
die 300-ter Marke zu knacken! Vorher wird aber noch die EWD erflogen,
bei der das Höhenruder auf „null“ getrimmt ist. Nach Rücksprache mit
Martin Hepperle werde ich die nächste Einstellung von –0,7° erproben. Er
meinte, diese Werte könnten durch den verringerten S-Schlag des Profils,
bedingt durch die Bauausführung (Positiv-Bauweise des Flügels) durchaus
zu Stande kommen. Das sind immerhin schon 1° weniger als errechnet –
wozu rechnet man dann überhaupt?
Aber was ist das alles gegen diese wunderschöne Maschine mit diesem
außergewöhnlichen Flugbild und dem nicht zu beschreibenden Sound der
beiden Motore – eben ein Jäger.
Die viele Arbeit hat sich gelohnt!!
Technische Daten Twin
Dago P-82
Spannweite 1960 mm
Länge 1360 mm
Flächentiefe innen 380 mm
Flächentiefe außen 230 mm
Flächeninhalt 63,8 dm²
Flächeninhalt HLW 9,2 dm²
Hebelarm 745 mm
Flächenbelastung ca. 120g/dm² betankt
Profil innen MH20 mod. 11%
Profil außen MH20
Profil HLW NACA 0008
Schwerpunktlage 90mm
Gewicht leer 7900 g
Startgewicht 8730 g
Motoren 2 x OS 61RX H modifiziert
Resonanzrohre Picco
Luftschrauben APC 11 x 9
Standdrehzahl 14.000 U/Min
Standschub ca. 9.000 g
Einziehfahrwerk mechanisch
Fahrwerksbeine Stahldraht 4,5 mm nachgehärtet
Räder Leichträder 80mm
Maßstab ca. 1:9,1
Fluggeschwindigkeit 220 km/h in gerader Strecke u. 280 km/h in gerader
Strecke aus dem Abschwung
Treibstoff Methanol mit 10% Ölanteil
Flugzeit ca. 20 Minuten
Treibstoffmenge 2 x 500 cm³
Lautstärke 90 db in 7 m Abstand bei Vollgas
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