RC Motorabstimmung


                       

                                                                                                            

 

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Die Abstimmung von 2-Takt-Motoren im Resonanzbetrieb



Veröffentlicht:

Modellsport Verlag Rotor 5-7/97 und MFI 7-9/97

von

Bruno Stükerjürgen



Hinter dem Wort "Motorabstimmung" verbergen sich einige hundert Seiten von beschriebenem Papier: Philosophien, persönliche Meinungen, Vorurteile, Unkenntnis, "Böhmische Dörfer", Leistungswille, Widerwille, etc. und ein Sack voll Diskussionsstoff. Fragt man auf dem Flugplatz fünf Piloten nach der richtigen Motorabstimmung für seinen Flieger, bekommt man mindestens 10 Meinungen zu hören, von denen die meisten auch noch falsch oder aus dem Zusammenhang gerissen sind. Nachdem mein Bericht über mein "UNIT"- Tanksystem im Rotor 5/96 veröffentlicht wurde, geriet meine positive Einstellung gegenüber einer Gruppe von Modellfliegern doch arg ins Wanken. Wir Modellbauer sind ein Völkchen von Individualisten und Tüftlern, die für jeden guten Rat dankbar sind und sofort ausprobieren müssen, ob er denn auch funktioniert. Die anderen bezeichne ich mal als Modellflieger, die einem erst einmal gar nichts glauben, endlose Diskussionen anzetteln, andere verunsichern, es selber erst gar nicht ausprobieren und in Ihrer Überzeugtheit mit Ihrem Halbwissen weitermurksen. Vielleicht kann ich diese ungläubige Minderheit mit diesen Artikel überzeugen, auch mal Dinge anzunehmen, die "nicht auf ihrem Mist gewachsen" sind. Die häufigste Antwort auf meine Frage nach Motorproblemen war: "Mein Motor läuft immer" oder "Ich habe keine Motorprobleme" oder "Warum soll ich einen komplizierten Tank einbauen, wenn ich keine Tankprobleme habe?" Bei solchen Antworten werde ich den Gedanken nicht los, daß einige Menschen einfach auf ihrem Wissensstand stehen bleiben wollen oder andere Modellflieger dumm halten wollen." Den letzten "Kick", mich zu diesem Artikel aufzuraffen, meine Erfahrungen in stundenlangen Sitzungen aufzubereiten und in den Computer zu "hacken", war der Artikel in der Ausgabe 7/96 einer Modellzeitschrift über die "Funktion und Abstimmung von Resorohren". "Viele Wege führen nach Rom", aber es gibt auch heute in unserer aufgeklärten (oder vielleicht doch nicht?) Gesellschaft immer noch Zeitgenossen, die dort nie ankommen werden.

An dieser Stelle ein Aufruf an alle Motorhersteller: zu jedem Motor gehört eine Liste mit Abstimmversuchen mit präzisen Angaben, die den unbedarften Käufer solcher Produkte in die Lage versetzt, diesen erworbenen Treibling mit der angegebenen Leistung erfolgreich zu betreiben.

Alle reden davon, aber kein mir bekannter Hersteller oder Distributor hat den Mut es zu Papier zu bringen. Ich muß mich immer fragen, wie die schönen Motor-Datenblätter entstehen? Schreibt der eine vom anderen ab und schlägt 10% Gewinn auf, oder sind die Leistungsangaben tatsächlich auf dem Prüfstand unter realen Bedingungen ermittelt worden? In diesem Fall wäre es doch ein Leichtes, die Versuchsbedingungen aufzuschreiben und dem Käufer zukommen zu lassen. Vielleicht will der eine Hersteller dem anderen auch nichts (Wissen oder Unwissen) verraten?!

Der folgende Artikel ist für einige Leser sicherlich ein Alptraum, für andere eher langweilig und für die meisten (so hoffe ich) unter Euch interessant und spannend wie ein Krimi. Er ist jedoch nicht als Bedienungsanleitung zu verstehen, sondern soll aufzeigen, welche ungeahnten Möglichkeiten in einem 61er Motor schlummern. Schachtelneue Motore in einen Flieger schrauben und auf Motorleistung warten, funktioniert nur in den Vorstellungen der Hersteller. Jeder Motorbetreiber muß sich mehr oder weniger mit der Materie auseinandersetzten, will er kein Schiffbruch erleiden.

Die Abstimmung eines Motors gehört für mich zu den schwierigsten Aufgaben im Bereich der Motortechnik. Noch schwieriger ist es, die jahrelange Erfahrung, mit der Entscheidungen für dieses oder jenes aus dem Gefühl oder mit dem erworbenen Know-How getroffen werden, für jeden Motortüftler in verständlicher Form niederzuschreiben. Es gibt zwar viele Bücher und andere Veröffentlichungen über Motorentechnik, aber nur wenige, die sich mit der richtigen Abstimmung eines 2-Takt-Motors mit Resonanzrohr im oberen Leistungsbereich für den Modellflug befassen. Mein Bericht stellt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, und es wird immer Motortüftler geben, die andere und vielleicht bessere Erfahrungen gemacht haben, ist aber immerhin ein Anfang, der auf meine über 15-jährige Erfahrung mit Rennmotoren aufbaut.

Meine 40er RI-Rennmotore aus russischer Produktion leisteten bei etwa 29000 U/mIn ca. 2,5 bis 3 PS. Das entspricht einer Literleistung von 384 bis 461 PS.

Um einen Motor gut abzustimmen, müssen einige Voraussetzungen erfüllt und die Einsatzbedingungen definiert werden;

Zunächst wird festgelegt, in welchem Leistungsbereich man fliegen will oder muß. Grundsätzlich gilt für jeden Motor: je näher man sich an der Leistungsgrenze bewegt, desto präziser muß der Motor abgestimmt und eingestellt werden. Der Umkehrschluß dürfte für jeden klar sein: je weniger Leistung einem Motor abverlangt wird, desto mehr kann man mit der Einstellung und Abstimmung schludern. Nur so ist es zu erklären, daß namhafte Heli- und Flächenpiloten -nach ihrer eigenen Aussage zur Folge - mit ihren Motoren keinerlei Probleme haben. Maschinen sind im Grunde wie Menschen; wenn sie Höchstleistung bringen müssen, werden sie kribbelig und kritisch in der Handhabung!

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Wort "Motorenabstimmung"?

Das Aufeinander-Abstimmen von Einzelkomponenten, die im Kreislauf der Antriebseinheit Aufgaben übernehmen, mit denen der Motor seine Arbeit problemlos in einem bestimmten Leistungsbereich verrichten kann. Jede noch so gute Komponente ist wertlos, wenn sie in der Gesamtheit nicht harmoniert. Zu den Einzelkomponenten einer solchen Einheit gehören:

- Größe, Art und Ausstattung des Tanks

- Länge und Durchmesser der Schlauchleitungen

- die Nadeln, der Querschnitt und die Handhabung des Vergasers

- die Qualität der eingesetzten Materialien und deren Verarbeitung für den Motor

- die Verdichtung des Motors

- der Wärmewert der Glühkerze

- die Größe des Kühlkopfes (Kühlfläche)

- die Führung und der Durchmesser des Abgaskrümmers

-das Resonanzrohr: Volumen, Durchmesser, Diffusorwinkel, Prallplatte oder Gegenkonus, Innenwiderstand

Für mein Beispiel soll folgendes gelten:

Der Einsatz erfolgt in einem Hubschrauber mit einer Getriebeuntersetzung von 9 : 1 bei einer Kopfdrehzahl von 1400 U/min und 1850 U/min. Daraus ergeben sich Motordrehzahlen von 12600 U/min bzw. 16650 U/min. Verwendeter Motor ist der OS 61 RX mit einem 7-H-Vergaser mit einem freien Durchmesser von 10 mm. Die Länge des Krümmers beträgt in der Sehne bis zum Flansch 130 mm bei einem Innendurchmesser von 19 mm. Krümmer mit einem Innendurchmesser von weniger als 18 mm und mehr als 19 mm gehen zu Lasten der Motorleistung! Das von mir eingesetzte Hatori-Rohr trägt die Bezeichnung # 650 mit dem längeren zylindrischen Stück bis zur Prallplatte.

Der Drucknippel wird mit einer Gegenmutter am Ende des Diffusors (hoher Innendruck) eingesetzt (mit UHU-Plus bei ca. 150 Grad 15 Minuten mit einem Heißluftföhn aushärten lassen). Der hohe Druckaufschlag aus dem Resonanzrohr ist wichtig für die Piloten, die kräftig an den Knüppeln rühren;- denn 20 g sind schnell erreicht. Das heißt nichts anderes, als das der Treibstoff bei einigen Figuren plötzlich 20mal so schwer ist wie vorher. Das Ergebnis ist unter Umständen eine abgerissene Spritsäule zum Vergaser.

Das Resonanzrohr wird auf die Länge von 250 mm (Prallplatte-Rohranfang ohne Krümmer) für den Einstieg gekürzt und die Schnittkante sorgfältig entgratet (vorher bitte einen kleinen Lappen bis hinter die Schnittkante in das Rohr schieben, um Verunreinigungen im großen Maß zu vermeiden).

Das Rohr wird nach einer solchen Behandlung oder vor dem Erstgebrauch gründlich mit Wasser gespült. Als Verbindungsschlauch zwischen Krümmer und Rohr wird von mir ein handelsübliches Teflonrohr eingesetzt. Als Abdichtung zum Alurohr dient ein übergeschobener Silikonschlauch, der an der Rohroberfläche festbrennt (siehe Abb.1) Federschellen sind für Aluminiumrohre ungeeignet!

Die Federschelle staucht das Alurohr bei zunehmender Erwärmung zusammen. Der Querschnitt verengt sich und irgendwann leidet der Motor an Atemnot - die Leistung bricht förmlich zusammen.

Als Treibstoff verwende ich den Dynaglo-Straight von Simprop mit einem Ölanteil von 8% Synthetik- und 2% Rizinus”l, ohne Nitro. Dieser geringe Ölanteil ist nicht mit jedem Vergaser zu betreiben. Die Viskosität des Treibstoffes ist erheblich geringer als bei 15 oder 20 % Ölanteil und der Energiegehalt größer. Der nutzbare Einstellbereich wird bei ungeeigneten Vergasern (z.B. OS 60 B) zu klein und somit die Einstellung überkritisch. Der von mir eingesetzte OS 7-H Vergaser ist für meine Belange modifiziert (flacherer Hauptnadelkonus und Veränderung des Vergasergehäuses um eine magere Einstellung im Mittelgas zu erreichen).

Für den Normalflieger ist diese Spielerei jedoch völlig ungeeignet und daher noch ein Aufruf an die Motorhersteller:

"Baut endlich einen Vergaser der diesen Namen verdient und für geringe Ölanteile und ohne Nitro für Jedermann zu gebrauchen ist." Die heutigen Vergaser haben eine Bohrung, die für 3,5 und 6,5 ccm Motoren und Spritlöcher, die für 50 ccm-Motoren geeignet sind. Was nutzt mir ein 3-Nadel-Schicki-Micki-Vergaser, wenn 2 Nadeln ganz zugedreht werden müssen und die Dritte von 5 Umdrehungen nur eine halbe Umdrehung auf ist? Zwischen einer fetten und einer mageren Einstellung sollte sich der Weg der Nadel bei einer Umdrehung bewegen! Womöglich ist der freie Querschnitt der Vergaserbohrung noch kleiner als 9 mm. Wo bitte schön soll denn die angegebene Leistung dann noch herkommen? Ich ziehe meinen E-Starter nach dem Anlassen immer ab! Meine Versuche laufen zur Zeit mit einem 12 mm Vergaser!! (Abb.2)

Die richtige Glühkerze muß in Versuchen ermittelt werden. Ein Motor kann auf fast jede Kerze abgestimmt werden. Zur Zeit setze ich bei meiner Abstimmung eine Rossi4 ein. Vorgeglüht wird mit 2 Volt; und nicht weniger!

Um Spannungseinbrüche zu vermeiden, verwende ich immer zwei Akkus; 2 Volt 2,5 A für die Kerze und 14 Hochstromzellen (16,8 Volt)1,4 A für den Starter. Diese hohen Akkuleistungen erleichtern das Starten eines Motors ungemein.

An dieser Stelle noch einige Zeilen zum Betanken und Starten eines Motors mit dem E-Starter:

- während des Betankens ist der Vergaser dicht zu verschließen, um ein "Absaufen" schon beim Tanken zu vermeiden

- der Motor wird vor dem Glühen nicht angesaugt

- der Vergaser wird für erhöhten Standgasbetrieb geöffnet

- die Kerze wird geglüht

- der Anlasser aufgesetzt und der Motor "trocken" gestartet

Der Sprit kann während des Startvorgangs je nach Vergaser ohne oder mit Druckanschluß angesaugt werden. Wichtig ist hierbei, daß der Anlasser nicht eher abgenommen wird, bis der Motor "nachhaltige Laufwilligkeit" signalisiert. Bei dieser Art von Starten kann man sehr gut hören, wann der Motor genügend Sprit angesaugt hat und kann beim Druckanschluß den Finger frühzeitig vom Dämpfer-Endrohr nehmen. Das Ratespiel nach dem "zuviel oder zuwenig" Sprit hat dann ein Ende und das "Absaufen" während des Startvorgangs ebenfalls.

Eine weitere wichtige Voraussetzung für ein gutes Gelingen ist selbstverständlich ein dichter Tank mit einer festen Außenhaut (z.B. Kavan - Plastiktüten gehören in den Verpackungshandel). Um unnötige Fehldiagnosen zu vermeiden, sollte als Entnahmesystem unbedingt mein in der Rotorausgabe 5/96 bzw. MFI 1/97 vorgestelltes "UNIT"- Tanksystem installiert werden. Der Bubbless Fuel Tank ist noch in der Eprobung, kann jedoch im Flächenflieger ohne Vorbehalte schon jetzt eingesetzt werden. (Auf dem Prüfstand ist diese Maßnahme nicht erforderlich, da eh ständig an der Düsennadel gedreht wird.) Nur so bekommt man vergleichbare und wiederholbare Meßwerte bei der Einstellarbeit eines Motors im Modell - und das will man ja erreichen. Einmal probiert -"hui"- zweimal probiert- "pfui"- kann einem bei der Motorabstimmung zur Verzweiflung bringen.

Also keine Kompromisse bei den Vorbereitungen und den Voraussetzungen für Abstimmversuche eines Motors! Weder auf dem Prüfstand, noch im Modell, sonst ist die ganze Mühe unter Umständen umsonst - und wer will schon viel Arbeit mit wenig Ergebnis? Desweiteren muß ein Motor die berühmte "Einlaufphase" abgeschlossen haben.

Befragt man zu diesem Thema einen Ölexperten mit einem Mikroskop, zieht sich die Einlaufphase ca. 2 bis 3 Stunden hin. Bei diesen Fachleuten ist die Einlaufphase beendet, wenn im Abgas nur noch geringer Metallabrieb unter dem Mikroskop erkennbar ist. Da ich nicht im Besitz eines solch komplizierten Gerätes bin, ist bei mir die Einlaufphase beendet, wenn der Motor keine Überhitzungserscheinungen im Vollgasbereich zeigt. Das kann also je nach Material schon nach wenigen Minuten der Fall sein (zur Nachahmung nicht zu empfehlen, da bei mir jede Passung im Motor Überprüft und ggf. nachgearbeitet wird.) Wichtig ist es vor dem ersten Lauf den Motor mit Treibstoff gründlich zu spülen, bis er an allen Löchern (auch am vorderen Lager) herausläuft. Einlaufen muß bei den heutigen Motoren mit moderner Fertigungsqualität hauptsächlich nur noch das obere und untere Pleulauge. Mit 3-4/100 Übermaß im Durchmesser zum Kurbelwellenzapfen ist gerademal die Lagerluft für die obere Pleullagerung erreicht (Abb.3), aber für das untere Auge ist diese Lagerluft nach meinen Erkenntnissen nicht vollgasfest, und somit für den sofortigen Gebrauch bei Versuchen der Motorabstimmung nicht ratsam. Hier hilft auch kein Ölanteil von z.B. 20% oder irgendein "Super-Additiv", denn wie soll das Öl in einen so kleinen Spalt mit einer Tiefe von ca 6,5mm eindringen? Nach meinen Erfahrungen muß das Pleulauge 6/100 Übermaß zum Zapfen haben. Bei kalten Lufttemperaturen verstärkt sich dieser Effekt um ein Vielfaches, da sich die Viskosität des Öls noch vergrößert, und die Passung durch die Materialschrumpfung noch einmal verkleinert. Diese enge Passung habe ich bei den von mir vermessenen Motoren der Marke: Rossi, Picco, Novarossi, Webra und OS in der 61iger Größe feststellen können.

Ich habe bisher noch von niemandem eine befriedigende Antwort auf meine Frage nach der engen Pleulpassung erhalten. Da ich an dieser Stelle nicht über Motor-Tuning sondern über die Motorabstimmung schreiben möchte, will ich es hiermit bewenden lassen.

Als letztes muß noch entschieden werden, ob der Motor bei der Schwebeflug-Drehzahl von 12600 U/min innerhalb oder außerhalb der Resonanz laufen soll. Mein Motor läuft bei 12600 U/min immer außerhalb der Resonanz. Der Vorteil liegt bei geringer Leistungsabgabe im weicheren Lauf, der dem Schweben sehr entgegenkommt und in der Möglichkeit das Rohr speziell auf die hohe Drehzahl abzustimmen, wodurch entschieden mehr Motorleistung erreicht wird.

An dieser Stelle angekommen, muß man sich überlegen, ob der Motor im Modell oder auf dem Prüfstand abgestimmt werden soll.

Grundsätzlich ist beides möglich. Da ich jedoch immer genaue Meßdaten erhalten möchte, beginne ich mit den Prüfstandversuchen und nehme später noch einige Anpassungen direkt im Modell vor.

Zur Montage des Propellermitnehmers (Mitnehmer + Konus) auf die langgeschliffene Kurbelwelle (Helimotor), muß vorher ein Distanzring (Abb.4 Innenring eines Lagers) von ca 7mm Länge aufgeschoben werden. Der erforderliche Krümmer (Abb.5 Abgang nach hinten) sollte 2 cm kürzer als der Krümmer im Hubschrauber sein, somit 11cm. Als Standartpropeller verwende ich den APC 10x8 (15.000 bis 16.000 U/min) und eine TF 8,5x9 (17.500 bis 18.500 U/min). Dieses entspricht etwa den vorgegebenen Motordrehzahlen im Schnellflug. Die vorbereitete Motoreinheit wird nun auf einen stabilen Motorprüfstand geschraubt (Abb.6). Prüfstände mit Klemmvorrichtungen sind mir zu gefährlich, denn eine lose Schraube hält immer noch besser als eine lose Klemmvorrichtung. Für jeden Pilot dürfte klar sein, daß ein fliegender Motor nur schwer zu beherrschen ist.

Ist die Resonanzrohrlänge auf ca. 38 cm (gemessen zwischen Motorflansch und Prallplatte) eingestellt, der Druck- und Sauganschluß zum Tank hergestellt, der Propeller montiert und fest angezogen (fest ist dann, wenn die Propellernarbe unter dem Druck der Mutter nicht mehr nachgibt), steht einem Motorstart nichts mehr im Wege.

Als Meßinstrument dient lediglich ein Drehzahlmesser mit einem Meßbereich von 2000 bis 20000 U/min. Drehmonentmessungen sind in diesem Fall uninteressant. Ein stationärer Drehzahlmesser (Abb.7) hat in der Handhabung nur Vorteile. Ein unvermeidbares Werkzeug ist zudem noch ein Block oder Notizbuch für diverse Eintragungen nach jeder Änderung am Motor bzw. Rohr und die damit erzielte Drehzahl. Nur so kann man die gemessenen Werte analysieren und reproduzieren, denn Erfolg ist in den seltensten Fällen nur auf Glück aufgebaut. Diejenigen unter Euch, die sich schon mal intensiv mit Motorabstimmungen beschäftigt haben, wissen wie zeitraubend eine gute Motorabstimmung sein kann um zum Erfolg zu kommen. Das Ziel lautet hier: eine hohe Motorleistung bei einer homogenen Motortemperatur, einer unkomplizierten Vergasereinstellung bei sich ändernden Bedingungen (z.B. Wetter) und ein in jeder Fluglage runder und sicherer Motorlauf. Einige unter Euch werden sich jetzt schon fragen "ja wie lange dauert denn so eine Prozedur"? Nun, eine Motorabstimmung auf dem Prüfstand nimmt bei mir etwa einen vollen Arbeitstag in Anspruch, und dann noch einmal vier bis fünf Starts mit dem Hubi, je nachdem wie kompliziert der Vergaser zu bedienen ist. Wichtig bei jedem Probelauf auf dem Prüfstand ist, den Motor vor Überhitzung zu schützen. Je nach Materialeinsatz der Hersteller für die Laufgarnitur (Abb.8 Stahl/Ring, ABC oder AAC) kann ein überhitzter Motorlauf schon zur Zerstörung dieses empfindlichen Bauteiles kommen. Bei weiterer Überhitzung verspannt sich in der Regel das Motorgehäuse.

Dieser ungünstigste Fall aller Motorschäden ist nicht sichtbar oder meßbar. Der Motor hat im Folgenden einen unberechenbaren Lauf und ist nicht mehr einstellbar. Kurz gesagt: "das Ding ist reif für die Tonne". Das Gemeine an dieser Überhitzung ist, daß sie nicht in Grad Celsius angegeben werden kann. Die Temperaturstabilität eines Motors hängt wesentlich von den Metallegierungen ab und nicht so sehr - wie so oft behauptet - von der Anzahl der Kühlrippen oder deren Farbe.

Wie kann man diese Überhitzungen vermeiden?

- jeder Probelauf muß von der fetten zur spitzen Vergasereinstellung erfolgen, niemals anders

- bei einem sich nur andeutenden Drehzalhlabfall den Motor sofort abstellen

- vor jedem erneuten Probelauf den Motor auf unter 50 Grad C abkühlen lassen (gut Handwarm)

- während des Motorlaufes niemals das Resonanzrohr verschieben, geschweige denn kürzer schieben (man mißt nur Mist und der Motor glüht innerhalb von Sekunden)

- beim Probelauf sofort die Drehzahl messen und nicht warten wie standfest der Motor wohl ist oder sich an dem schönen "Sound" ergötzen. Nach erfolgter Messung den Motor sofort abstellen.

- ein unrunder Motorlauf zeugt immer von Schwäche, bedingt durch eine falsche Einstellung, oder zu große Propellerauswahl. Frei nach dem Motto "mein Rotor hat einsfufzig"- warum hat der Propeller nur 10x8" Auch einen Motor kann man quälen. Es gibt grundsätzlich nur zwei Möglichkeiten einem Motor Leistung zu entlocken:

das eine geht über eine hohe Drehzahl und das andere über einen großen Hubraum. Beides sind jedoch relative Größen und bekommen erst im Zusammenhang einen Sinn. Je kleiner der Hubraum (entsprechend klein ist dann der Hub) des Motors, desto höher kann dieser drehen. Für Hochleistungszwecke werden heute 2,5 ccm Motore mit über 40.000 U/min, 6,5 ccm mit über 30.000 U/min und 10 ccm mit über 25.000 U/min betrieben. Die Literleistung dieser Motore liegt dann etwa bei 350-450 PS/Ltr. Hubraum. Die vergleichbare Leistung von durchschnittlichen Serienmotoren ist nur etwa halb so groß. Auch hierbei gilt: je kleiner der Hubraum, desto größer die Leistung pro Liter Hubraum. Grundsätzlich gilt bei jedem Motor: je mehr Methanol-Luft-Gemisch durch den Vergaser läuft bzw. fließt, desto höher ist die Motorleistung, egal bei welcher Motorgröße. Der Umkehrschluß ist folgender: je weniger Sprit ein Motor frißt, desto weniger Leistung hat dieser. Etwa 30% (lt. Prof. Demuth, 1982) der zugeführten Energie werden in Leistung umgewandelt, der Rest geht in Abwärme und Verdampfungswärme verloren. Diese Gegebenheiten kann man auch mit viel Pitch oder Rotordurchmesser nicht ausgleichen. Für die Praxis bedeutet das folgendes:

wird bei einer Motordrehzahl von 13000 U/min 1 Liter Sprit pro Stunde verflogen und bei einer Motordrehzahl von 17000 U/min 2 Liter pro Stunde, dann entwickelt der Motor bei der hohen Drehzahl eine etwa doppelt so hohe Leistung, wenn man die Zunahme der mechanischen Reibung außer Acht läßt. Ich höre die "belesenen Theoretiker" an dieser Stelle schon aufschreien - bitte kein Grund zur Panik, denn es kommt für die Theoretiker unter Euch noch schlimmer. Einem Motor mit theoretischem Wissen Leistung zu entlocken funktioniert einfach nicht. Die verfügbare Literatur für Verbrennungsmotoren hört bei den mir bekannten Werken bei ca. 5000 U/min auf. Es gibt sicher wissenschaftliche Untersuchungen für höhere Drehzahlbereiche aus dem Motorsport, aber wer veröffentlicht solch aufwendig ermittelte Ergebnisse? In der Motorentechnik hilft nur eines "probieren statt studieren". Theorien und Erfahrungen aus dem Großmotorenbau auf unsere kleinen "Jockels" zu beziehen wirkt nach meinen Erfahrungen ohnehin nur leistungsmindernd. Bei den Kleinmotorenherstellern wird meiner Meinung nach sowieso nicht nach Motorleistung gesucht, als vielmehr nach Verkaufsargumenten; wie sonst entstehen fünf- und acht-Kanal-Spülungen (oder waren es gar neun, na ja auf einen mehr oder weniger kommt es eh nicht an). Hierzu paßt der Ausruf von "OTTO" während eines Fußballspiels: ja wo laufen sie denn - ja wo laufen sie denn hin(die Spülungen)? Ähnliche Meinung habe ich von dem "Langhuber" aus vergangen Zeiten der F3A-Flieger. Hierzu paßt Theo Lingens Frage nach der Dampfmaschine; "jetzt stelle we uns mal janz dumm, wat is en Dampfmaschin? En Dampfmaschin is en große schwarze Loch!" Richtige Langhubermotore gibt es meines Wissens nach nur noch in Museen, aber nicht in Modellflugzeugen oder Hubschraubern. Unsere Funkfernsteuerungen (besser Datenüberträger) sind heute sicherer denn je, aber einen Langhubermotor würde auch in der heutigen Zeit sicherlich keine Anlage überstehen. Die Laufkultur eines echten Einzylinder-Langhubers kann man ohne Übertreibung sicher mit dem Lauf einer Einblattluftschraube ohne Kontergewicht vergleichen. Keine Klebestelle hält länger als 10 Sekunden, Schrauben haben plötzlich kein Gewinde mehr usw. Stellt euch solch einen Motor in einem Hubschrauber vor, nach dreimal Hin- und Herfliegen ist er einfach weg - in seine Bestandteile aufgelöst, einfach zerlegt! Soviel zur Motortheorie und der Verkaufspolitik der Motorenhersteller.

Während des ersten Probelaufs ist noch nicht so sehr eine Spitzenleistung gefragt, sondern vielmehr hört man dem Motor zu (selbstverständlich nur mit Ohrenschützer - nicht gegen die Kälte, sondern gegen den Lärm). Der Motorlauf kann rund oder unrund sein, das heißt bei Vollgasbetrieb eine schwankende Drehzahl aufweisen. Ein kurzer Blick auf den Drehzahlmesser zeigt dann den weiteren Weg. Mit der APC 10x8 sollte der Drehzahlmesser etwa bei 15.000 U/min stehen, mit der kleineren Latte (bei mir eine TF 8,5x9) etwa bei 17.000 U/min. Diese Werte sollten und können einen "ambitionierten Drehzahlfreak" jedoch nicht befriedigen. Für die Ehrgeizigen unter Euch: hier fehlen noch etwa 1000 U/min bei einer optimalen Einstellung. Eine weitere wichtige Komponente zum Erfolg ist der Motorklang. Es gibt Motoreinstellungen, bei dem sich der Motor "eisenhart " oder "butterweich" anhört. Der "eisenharte" Motorklang ist auf jeden Fall der Schlechtere von Beiden und weist in der Regel auf eine zu hohe Verdichtung hin. Dieser Motorklang ist noch weit von dem sogenannten "Klingeln" entfernt. Es geht hierbei nur um die Einstellung des Zündpunktes für eine bestimmte Drehzahl. Bei den Zweitaktmotoren für unseren Verwendungszweck haben wir es in zweiter Linie mit dem Prinzip eines Dieselmotors zu tun - das heißt nichts anderes, als daß es sich hierbei um eine Art Selbstzünder mit einer Zündhilfe (Glühkerze) handelt. Der Zündzeitpunkt wird nicht nur - wie beim Dieselmotor - durch die Verdichtung, sondern auch durch den Wärmewert der Glühkerze eingestellt. Je heißer die Glühkerze, desto früher zündet das Gemisch. Das Verdichtungsverhältnis der bei uns käuflichen Motore liegt rechnerisch etwa zwischen 10:1 bis 11:1. Bei Zweitaktmotoren gibt es hier zwei Berechnungsmethoden: die eine setzt das Hubvolumen (Hub x Bohrung) mit dem Verdichtungsvolumen ins Verhältnis und das andere setzt das "tatsächliche" oder "nutzbare" Hubvolumen (Hub oberhalb Auslaßfenster x Bohrung) mit dem Verdichtungsvolumen ins Verhältnis. Dieser Wert ändert sich dann auch bei unterschiedlichen Auslaßsteuerzeiten des Motors und liegt etwa in der Größenordnung von 7:1. Ich benutze für meine Berechnungen immer den vollen Hub des Motors, um eine bessere Vergleichbarkeit bei unterschiedlichen Steuerzeiten zu haben. Das Verdichtungsvolumen bezieht sich auf die Kolbenstellung OT (oberer Totpunkt), die die Mathematiker unter Euch sicher rechnerisch ermitteln. Ich bevorzuge die unkompliziertere Methode - "das Auslitern". Man nehme eine Insulin-Spritze in der Größe von 1ml und befülle bei der Kolbenstellung OT und herausgeschraubter Glühkerze den Brennraum durch das Kerzenloch bis unter Kante Kerzengewinde mit Treibstoff (und befrage einen Arzt oder Apotheker!). Die eingefüllte Menge beläuft sich bei einem Motor mit etwa 9,95 ccm auf ca. 0,93 ml, was einem Verdichtungsverhältnis von 10,7:1 entspricht. Der Zündzeitpunkt wird also durch die Verdichtung zum einen und durch den Wärmewert der Glühkerze zum anderen eingestellt. Jetzt kommt sicher bei einigen unter Euch die Frage nach dem Einfluß des Wetters auf. In unseren Breitengraden und den von uns geflogenen Drehzahlen, ob Hubschrauber oder Flächenflieger, ist eine Änderung der Einstellung nur an der Düsennadel vonnöten und sinnvoll. Die Aussage: heißes Wetter - kalte Kerze und kaltes Wetter- heiße Kerze macht bei uns keinen Sinn. Meine Erfahrungen reichen hier von -3 Grad Celsius bis +30 Grad Celsius - ich fliege ausschließlich die Rossi4. Bei einem zu kalt laufenden Motor im Winter sollte man sämtliche Kühlschlitze mit Tape zukleben, bevor die Motoreinstellung bezüglich Kerze oder Verdichtung verändert wird.

Hierbei gilt grundsätzlich:

je höher die Motordrehzahl, desto später muß die Zündung erfolgen und umgekehrt. Jetzt stellt sich die Frage nach dem was ist zuviel und was ist zuwenig? Ein Motor mit einer zu hohen Verdichtung hat einen "harten" Lauf, der sich unter Umständen in verstärkten Vibrationen zeigen kann. Durch die frühe Zündung wird der Motor quasi am "freien" Laufen gehindert. Im Drosselbereich und beim Hochlaufen des Rotorsystems bzw. des Propellers, also auch beim Lastwechsel hat eine hohe Verdichtung Vorteile bis zu einer bestimmten Motordrehzahl. Ab da wird jegliche Spritzufuhr nur noch in Wärme, aber nicht in Leistung umgewandelt und der Motor beginnt zu überhitzen, wobei das Gemisch noch früher zündet. Im Extremfall beginnt der Kolben weich zu werden, bis ein Loch im Kolbenboden den Motorlauf abrupt beendet. Hier hilft auch nicht die so berühmte "Kolbenrückholfeder".

Eine zu geringe Verdichtung zeigt sich in einem unrunden Motorlauf durch alle Drehzahlbereiche mit einem weichen Klang. Der Vergaser beginnt "angeblich zu spinnen", ist also nur schwer oder gar nicht einstellbar. Der Lastwechsel bzw. das Hochlaufen des Rotors funktioniert nur unbefriedigend oder gar nicht. Der Motor hat schlicht weg keine Leistung mehr und kommt somit auch nicht "aus'n Puschen". Im Extremfall kommt es zum Motorabsteller während des Fluges durch ein kurzes aber kräftiges "brrrr". Das gleiche "Phänomen" ereilt einen zu kalt laufenden Motor. Es gilt also den richtigen Zündzeitpunkt durch Einstellen der Verdichtung und der richtigen Kerzenwahl zu "ertasten". Einen direkten Einfluß auf die Zündung nimmt auch noch die Brennraumform, die ich hier an dieser Stelle nicht näher beschreiben werde.

Ich kann in punkto Verdichtung alle OS RX61 - Besitzer beruhigen, sie brauchen in diese Richtung nicht zu experimentieren. Die Verdichtung des OS in Verbindung mit einer Rossi 4 Glühkerze funktioniert hervorragend. Bei den Motoren von Rossi und Novarossi konnte ich die Verdichtung erheblich senken, d.h. ich legte den Brennraum durch Unterlegscheiben ca. 3/10 mm höher. Durch die Änderun der Verdichtung kommt man bei einigen Motoren dem Wunschdenken der Hersteller von 2,5 PS/10 ccm schon etwas näher. Aber bitte nicht in Euphorien verfallen, denn der Weg zu diesen Leistungsangaben ist in der Regel zu lang und ohne massive Eingriffe in die gesamte Motortechnik nicht zu verwirklichen.

Jetzt habe ich einiges über die Einstellung des Zündzeitpunktes durch die Verdichtung geschrieben und dabei kommt bei einigen sicher die Frage auf; was geschieht bei einer falschen Kerzenwahl? Durch meine Erfahrung kann ich sagen, daß ein Motor durch Veränderung der Rohrlänge und der Verdichtung auf nahezu jede Kerze abgestimmt werden kann, es gibt jedoch immer eine Glühkerze, mit der der Motor besonders gute Laufeigenschaften oder Leistungsdaten aufweist. Ich kann jedoch nicht sagen, daß es diese oder jene Kerze sein muß, um gute Leistungen zu erhalten. Es ist auf keinen Fall die teuerste Glühkerze auch gleichzeitig die beste. Die Behauptung von einigen Piloten, diese eine bestimmte Glühkerze habe eine besonders lange Lebensdauer, würde ich nicht überbewerten, da die Lebensdauer einer Glühkerze in der Regel von der thermischen wie auch mechanischen Belastung abhängt. Die thermische Belastung einer Kerze wird verursacht durch:

- zu hohe Verdichtung und dadurch bedingte Frühzündung bei dem Einsatz einer zu heißen Kerze

- eine zu magere Vergasereinstellung bedingt durch eine falsche Einstellung oder durch den Einsatz fehlerhafter oder ungeeigneter Tanksysteme oder deren Bauteile

- unkontrolliertes Zünden des Motors bei Aussetzern durch Spritmangel (z.B. leerer Tank) oder durch das Ansaugen von aufgeschäumten Sprit (Luftbläschen)

- ein zu kurzes Resonanzrohr

- minderwertiger Motorqualität, bedingt durch falsche Materialien/Legierungen oder mangelhafter Fertigungsqualität

- eine zu geringe Motorkühlung - weniger im Hubschrauber sondern mehr bei dem Einsatz in Flächenmodellen mit schlechter oder keiner Kühlluftführung

Vergleicht man die unterschiedlichen Kühlungen der Motoren im Hubschrauber mit denen in einem vollverkleidetem F3A bzw. Kunstflugmodell und Verbrenner-Car, so muß ich mich fragen:

wer von den "Dreien" spinnt nun? die Römer - die spinnen ?!

- die "Kaffeemühlen" mit ihren 300 Gramm - Kühlköpfen und den aktiven Gebläsekühlungen? (Abb.9)

- die "Fernglas-Flieger" mit ihren kleinen Schlitzen direkt hinter einem mehr oder weniger drehenden "Quirl"?

- oder die "Reifenvernichter" mit Kühlköpfen wie Stelzen, in der Hoffnung in einer turbulenten Strömung die Wärmeenergie an Sand und sonstige herumfliegende "Teilchen" abzugeben?

Zu diesem Thema nur so viel: es gibt Modellmotore, die bringen einen "ganzen Ozean zum kochen", und es gibt auf der anderen Seite Motore, die in der "Sonne vereisen."

Nun zurück zur Glühkerze; die mechanische Belastung einer Kerze wird beeinflußt durch:

- Schmutzpartikel im Motor, die angesaugt werden

- Metallteilchen, die auf eine Innenzerstörung des Motors hindeuten

- Schmutzpartikel, die durch den Frischgas-Rücklauf aus dem verschmutzten Resonanzrohr in den Motor gelangen

- Vibrationen und Schwingungen jeglicher Art; es kommt vor, daß die Modelle "in Resonanz gehen" anstatt des Motors. In solch einem Fall dient das Modell als Energievernichter.

Eine mechanisch zerstörte Kerze ist in der Regel an einer verbogenen oder gebrochenen Glühwendel zu erkennen. Eine thermische Zerstörung hat meistens schwerwiegendere Folgen als nur eine defekte Kerze. Durch die thermische
Überlastung glüht die Wendel aus und bekommt danach einen grauen Farbton. Bei weiterem Betrieb zerfällt die Wendel in der Regel in viele kleine Perlen, die sich im günstigsten Fall auf den Kolbenboden festsetzen; oftmals jedoch beim Ausspülen durch den Abgasstrom zwischen Kolbenhemd und Laufgarnitur geraten, und die Zerstörung der Laufgarnitur "unnatürlich" vorantreiben. Nach so einer mißlungenen Einstellung ist die Laufganitur einschließlich Kolben nicht mehr gebrauchsfähig - um nicht zu sagen "im Eimer".

Das wichtigste Qualitätsmerkmal einer Glühkerze ist die Abdichtung zum Brennraum und des Isolators innerhalb der Kerze, sowie die Auswahl der Legierung des Glühdrahtes und die Qualität des Gewindes.

Jetzt habe ich immer noch nicht geschrieben, welche Kerze für diesen oder jenen Motor die richtige ist. Es hilft alles nichts, es muß jeder für seinen Motor und seinen Leistungswunsch die richtige Kerzenwahl selber finden (schlauer Spruch: Ich gebe euch das Pferd, aber reiten müßt Ihr schon selber!). Ich kann nur eingrenzend sagen, daß die Auswahl der Kerze heiß bzw. medium sein sollte. Eine als heiß bezeichnete Kerze der Firma A ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer heißen Kerze der Firma B. Es gibt meines Wissens für den Wärmewert einer Kerze keine Normung. Ich habe mal einige Strommessungen mit verschiedenen Kerzen vorgenommen um den Unterschied zwischen einer heißen und einer kalten Kerze zu "verdeutlichen". Ich habe die Kerzen mit einem 2 V-Akku ca. 5 Sekunden glühen lassen und dann die Stromaufnahme abgelesen (dieses war kein wissenschaftlicher Versuch!)

- Rossi3 2,85 A

- Rossi4 3,10 A

- Rossi5 3,40 A

- Rossi6 4,20 A

- Nelson 3,78 A

- Nelson Glow Bee 4,35 A

- NovaRossi4 3,57 A

- NovaRossiA6 4,15 A

- OS8 3,80 A

Man könnte jetzt meinen, je höher die Stromaufnahme, desto kälter ist die Kerze und umgekehrt. Ganz so einfach ist es nicht, wobei die Tendenz vorhanden ist. Vergleicht man die Rossi3 bis 6 trifft dieser Vergleich zu, da die Kerzen den gleichen Aufbau haben. Vergleicht man jedoch die Rossi6 mit der Nelson Glow Bee, ist zwar ein Unterschied meßbar, drückt aber nicht die wahre Differenz aus. Wie in Abb.10 zu sehen ist, handelt es sich bei der Glow Bee um einen völlig anderen Typ von Kerze. Nach der Messung zu urteilen, ist die Glow Bee nur geringfügig kälter, aber durch die völlig andere Lage der Glühwendel, handelt es sich hierbei um eine entschieden kältere Kerze, die ausschließlich bei Rennmotoren Verwendung findet. Rein meßtechnisch würde die OS8 gut zur Nelson passen oder sich zwischen der Rossi5 und 6 eingliedern. Weit gefehlt, die OS8 ist kälter als die Rossi 5 und 6, aber heißer als die Nelson. Die OS8 zeichnet sich durch ein kurzes Gewinde, großer Bohrung für die Wendel und einer kleinen Wendel aus, was den feinen Unterschied ausmachen dürfte. Die Novarossi4 paßt vom Laufverhalten sehr gut zur Rossi4, obwohl die Meßwerte es nicht vermuten lassen. Die Nelson Kerzen unterscheiden sich zudem noch durch ihre konische Dichtfläche von den handelsüblichen Kerzen. Von den Glühkerzen darf man keine Wunder erwarten. Jede Kerze für sich ist ein Unikat in Serie hergestellt und bedarf einer besonderen Abstimmung im Motor. Primär sollte die Wahl der Kerze von der Verfügbarkeit abhängen.

Wie wird nun eine Glühkerze X auf den Motor abgestimmt?

Zunächst werden Kopfdichtungen von 3-4/10 Dicke zusätzlich unter den Brennraum gelegt. Der Brennraum erhält somit einen größeren Abstand zum Kolben in OT-Stellung (oberer Totpunkt). Nach jedem Testlauf mit erfolgter Drehzahlmessung wird der Abstand Kolben-Brennraum um 1/10 mm verringert. Ihr werdet feststellen, daß die maximale Drehzahl sich verändert. Desweiteren muß bei jedem Testlauf das Motorgeräusch und das Laufverhalten beobachtet werden. Es ist der Kopfabstand richtig, bei dem der Motor bei Vollgas "rund" läuft und gut Gas annimmt. Nun gibt es auch Glühkerzen, bei denen eine Veränderung des Kopfabstandes nicht zum Ziel führt. Diese Kerzen benötigen unter Umständen einen heißeren Motorlauf, sind somit für "Otto Normalverbraucher" völlig ungeeignet. Da die Motore nach meinen Erfahrungen in der Regel zu hoch verdichtet sind, muß eine Glühkerze innerhalb der zusätzlichen Unterlegscheiben-Distanz abzustimmen sein, andernfalls solltet ihr eine andere Kerze probieren. Von mir getestete Kerzen sind die Typen Rossi4 - 6, Novarossi4 und OS8. Diese Typen funktionieren auf jeden Fall. Wie schon beschrieben sind die Besitzer des OS RX-Motores in Verbindung mit der Rossi4 Glühkerze in einer glücklichen Lage und brauchen sich mit der Verdichtung und der Kerzenwahl ihres Motor nicht zu beschtätigen, es sei denn sie wollen unbedingt die von Graupner empfohlene Kerze OS8 einsetzen. Ich bin mit der OS8 zu keinem optimalen Ergebnis gekommen, muß allerdings eingestehen, daß ich keinen Treibstoff mit dem empfohlenen Nitro-Anteil von 5% benutze. Mit Nitromethan kann das Laufverhalten und die Leistung eines Motors beeinflußt werden, ist aber unter anderem, wegen des hohen Preises für den Normalflieger indiskutabel. Auf dem deutschen Markt soll es ja immer noch Motore geben, die ohne Nitro keine Laufkultur haben. Die einfachste Methode einen Motor ohne Nitro zu betreiben, ist diese Typen nicht zu kaufen. Motore, ob 2-Takter oder 4-Takter, Ein- oder Mehrzylinder müssen ohne Nitro betrieben werden können, sonst sind diese Typen das Geld einfach nicht wert. Die Aussage: "viel Nitro kühlt gut" kann ich nicht akzeptieren. Was soll denn gekühlt werden; etwa ein schlecht eingestellter Motor oder was? Für mich zählt das Ergebnis, und das kann sich bei den von mir eingestellten Motoren auch ohne Nitro sehen lassen.

An dieser Stelle angekommen sind bei einigen von euch sicherlich schon ein ganzer Sack voll Fragen aufgelaufen, die ich gerne hören würde. Wie zuvor schon erwähnt, ist es unheimlich schwierig, das Thema Motorabstimmung als Monolog abzuhandeln. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Thema allgemein verständlich beschrieben habe. Deshalb bitte ich um Euere schriftlichen Reaktionen.

Ich werde nun auf das sicher von vielen schon herbeigesehnte Thema der Resonanzrohr-Abstimmung eingehen. Über die Funktion und Wirkungsweise von Resonanzrohren ist in der Vergangenheit schon sehr viel geschrieben worden und muß nicht neu erfunden werden. Das Wort "Resonanz" kommt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie "Mitschwingen" oder "Zurückschwingen". Einen 2-Takt-Motor muß man sich als Strömungsmaschine vorstellen. Es entsteht eine Gasschwingung im Vergaser bis zum Kurbelwellengehäuse. Die nächste Schwingung erfolgt im Kurbelwellengehäuse über die Überströmkanäle bis zum Kolbenhemd. Im Verbrennungsraum selber ist mir keine Schwingung bekannt. Als letztes Teil in dieser Schwingungskette liegt das Resonanzrohr. Jede dieser Schwingungen wird von der anderen beeinflußt, positiv oder negativ. Entscheidend für die Abstimmung der Schwingungen untereinander sind die Querschnitte und die Längen der einzelnen Komponenten. Je kürzer diese Komponenten, desto kurzwelliger die Schwingungen und umgekehrt. Beim Querschnitt gilt: je größer, desto länger ist die Schwingung. Dieser gesamte Schwingungs-Salat muß auf die angestrebte Motordrehzahl abgestimmt werden. Das geht also nicht mal eben so, sondern erfordert sehr viel Geschick und Erfahrung. Die von uns veränderbaren Schwingungen sind die des Resonanzrohres und des Vergasers durch Länge und Querschnitt bzw. Volumen. Die Schwingungen im Motor/Kurbelgehäuse werden von den Konstrukteuren bewußt oder unbewußt vorgegeben und sind von uns nicht ohne Weiteres veränderbar. Hierbei hilft auch nicht das so oft empfohlene Polieren von Kurbelwelle und Überströmkanäle. Wie bei einigen Tragflächenprofielen, so ist es unter Umständen auch im Motor von Vorteil eine turbulente Strömung durch poröse oder rauhe Oberflächen zu haben. Die Summe aller Schwingungen während eines Arbeitsprozesses beeinflussen die Leistung eines Motors mehr als z.B. eine veränderte Steuerzeit. So kann man durch die Veränderung der gesamten Strmungslänge vom Vergaseranfang bis zum Resonanzrohrende das Drehmoment eines Motors in einem bestimmten Drehzahlbereich erheblich beeinflussen. Hierdurch wird deutlich, wie wenig Aussagekraft Leistungs- und Drehmomentdiagramme bei Motortestberichten haben. Jeder Motortyp ist ein Unikat und verlangt nach einer eigenen Abstimmung.

Für mein Beispiel habe ich das stark verbreitete Hatori-Rohr genommen (Abb11). Es hat durch seine Alulegierung einen relativ weichen Klang, und wird wahrscheinlich daher von vielen Piloten bevorzugt. Der Preis könnte kein Kaufargument sein, eher schon die Leistungsausbeute bei optimaler Abstimmung in einem engen Drehzahlbereich. Die maximale Leistung eines Prallplatten-Rohres liegt etwas höher als die eines Konus-Rohres, wobei das letzt genannte System einen breiteren Leistungsbereich hat und daher von mir persönlich bevorzugt wird. Resorohre mit Gegenkonus sind in der Regel in der Handhabung unkomplizierter. Entscheidend für die Qualität eines Resonanzrohres ist ganz einfach nur die zu erzielende Leistung; je mehr, desto besser - in einem möglichst breiten Drehzahlbereich. Das Dämpferteil darf hierbei keinen Einfluß auf die Leistung nehmen, sonder dient lediglich der Geräuschminderung. Bei den käuflichen Rohren ist das jedoch nicht immer der Fall. Die Dämpferteile erhöhen, bei den mir bekannten Typen, den Innenwiderstand erheblich und beeinflussen somit auch die Leistung durch die Temperaturanhebung des gesamten Systems. Das kuriose hierbei ist, daß bei heißer werdenden Abgasen der Lärmpegel beim verlassen des Systems ansteigt.

Wodurch wird nun die Leistung eines Resonanzrohres beeinflußt? Es ist so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann, außer der Optik. Es fängt an mit dem Einlaßquerschnitt, der zwischen 18 und 19 mm liegen sollte, setzt sich über den Diffusorwinkel mit der Länge des zylindrischen Stückes bis hin zur Prallplatte fort. Der Winkel vom Gegenkonus (nicht bei Rohren mit einer Prallplatte) beeinflußt außerdem noch die nutzbare Bandbreite eines Resonanzrohres. Das Endrohr mit übergestülptem Silikonbogen liegt in der Regel außerhalb der leistungsbeeinflussenden Komponenten, darf aber den Innenwiderstand des Rohres nicht vergrößern. Je länger der Silikonschlauch, um so größer muß dessen Durchmesser sein um eine unnötige Temperaturanhebung des gesamten Systems zu vermeiden. Das Material der Rohre spielt für die Leistungsausbeute keine Rolle, beeinflußt allerdings den Klang erheblich. Die Leistungsdichte der käuflichen Resonanzrohr-Systeme -wenn sie denn gut abgestimmt sind- ist heute so eng, daß ein "Normalflieger" die Unterschiede in seinem Flieger nicht bemerken wird. Den Unterschied zwischen einem gut und einem schlecht abgestimmten Resonanzrohr wird auch der "Normalflieger" feststellen können und daher lohnt sich eine sorgfältige Abstimmung auf seine Belange in jedem Fall. Es steigt nicht nur die Leistung, sondern es sinkt zudem der Spritverbrauch durch den verbesserten Wirkungsgrad. Jeder von euch wird feststellen, daß ein gut abgestimmter Motor entschieden kühler läuft. Die Ursache für dieses Phänomen liegt einfach in der verbesserten Spülung des Motorgehäuses incl. Brennraum. In dem Moment, wo verbrannte Abgase zurück in das Kurbelgehäuse gedrückt werden, heizt sich der Motor selber in sich auf. Diese "Energievernichtung" wird bei einigen Motorherstellern mit riesigen Kühlköpfen und stark verrippten Kurbelgehääusen bekämpft - der Erfolg läßt mit Sicherheit auf sich warten. Der Sinn dieser Rippen kann nur in der Gehäuseaussteifung liegen. Durch eine gute Abstimmung wird der Motor so gut gespült und dadurch geküühlt, daß selbst die meisten der 5 oder 8 Spülkanäle sich "überflüssig" vorkommen. In meinem letzten Wettbewerbsjahr habe ich Rennen bestritten, bei denen mein Motor keinerlei Außenkählung erhalten hat. Er wurde nur durch seine Spülung gekühlt, und das bei ca. 29.000 U/min. Hierdurch wird deutlich, wie entscheidend eine gute und sorgsam durchgeführte Motorabstimmung sein kann.

Mein Versuch die Resonanzrohrlänge rechnerisch zu ermitteln, ist vor Jahren schon gescheitert, und die altbewährte Methode "probieren statt studieren" wieder aufgenommen worden. Die theoretische Resonanzrohrlänge ist für eine gute Grundeinstellung brauchbar, aber für die bedarfsgerechte Feinabstimmung nicht geeignet. Wie schon erwähnt, gibt es Motore, die heißer bzw. kühler laufen als ihre Mitbewerber. Um auf diese Eigenart eingehen zu können, muß das Resonanzrohr durch Versuche abgestimmt werden. Das Abgasvolumen eines heiß-laufenden Motors ist beträchtlich größer als das eines kalt-laufenden Motors. Dieses vergrößerte Volumen kann nur durch mehr Volumen in der Abgasanlage aufgenommen werden. Die eine Möglichkeit besteht - bei gleicher Rohrlönge - in einem größeren Rohr und die in der Praxis unbewußt genutzte Möglichkeit der Verlängerung des vorhandenen Resonanzrohres. Wie kann man nun feststellen, ob das Abgasvolumen zu groß, das Rohr zu klein, zu groß, zu kurz oder zu lang ist? Eines kann ich vorweg sagen; an der stärke der Rauchfahne erkennt man es nicht. Ein Motor kann glühen und trotzdem eine Rauchfahne haben. Ein zu großes oder zu langes Resonanzrohr verbraucht unverhältnismäßig viel Treibstoff bei einer geringen Leistungsabgabe des Motors. Die Spülung funktioniert nicht so wie sie könnte; ein großer Teil des angesaugten Gemisches verschwindet unverbrannt durch den "Auspuff". Man könnte auch sagen, daß der Motor ein schlechter Futterverwerter ist. Rein wirtschaftlich gesehen, ist ein schlecht abgestimmter 61er Motor einfach zu teuer. Zum einen im Unterhalt durch den großen Durst, und zum anderen durch die hohen Anschaffungskosten, denn ein gut abgestimmter 40er Motor hätte in diesem Fall auch gereicht. Das oft gehörte Argument der Haltbarkeit des Motors kann ich nicht teilen. Ein schlecht abgestimmter Motor wird ständig mit Vollgas betrieben, wohin ein gut abgestimmter Motor die gleiche Leistung unter Umständen schon mit Halbgas erreicht. Die Leistungsabgabe ist bei dieser Vergaserstellung bei beiden Motoren gleich, und nur die zählt.

Wie zuvor erwähnt, beginne ich meine Versuche mit einer Rohrlänge von 38 cm - gemessen zwischen Motorflansch und Resonanzrohr-Prallplatte. Eine Rohrlänge von 38 - 42 cm ist in der Hubi-Szene wohl die gebräuchlichste und für den Beginn der Versuche gut geeignet, um die Veränderungen des Laufverhaltens und der Einstellbarkeit zu verdeutlichen. Durch das Verkürzen des Rohres, besser währe der Krümme, erhöht sich der Abgasdruck im Rohr und somit auch im Tank (Druckaufschlag). Die Folge ist ein verbessertes Einspritzen im Vergaser bei Motorlastwechsel. Durch den erhöhten Druck werdet ihr feststellen, daß die Hauptdüsennadel immer weiter zugedreht werden muß, um ein Überfetten des Motors zu unterbinden. Das schnellere Regelverhalten des Vergasers ist ein schöner Nebeneffekt, aber bei der Leistungszunahme fangen die Augen der Motorspezialisten erst richtig an zu leuchten. Durch den verkürzten Abstand zwischen Motor und Prallplatte hat die Abgasschwingung einen kürzeren Weg zurückzulegen und kann ihre Arbeit somit schneller verrichten. Mit der Arbeit meine ich; den Grad der Füllung im Brennraum zu erhöhen. In das Abgassystem gespülte und unverbrannte Frischgase werden je nach Rohrlänge mehr oder weniger zurücklaufen und dadurch den Füllungsgrad und die damit verbundene Verdichtung des Motors erhöhen.

Das Limit der kurzen Rohrlänge ist erreicht, wenn verbrannte Gase zurück in den Motor gelangen. Bei meinen Versuchsbedingungen liegt diese kritische Rohrlänge etwa bei 33 cm. Um Unregelmäßigkeiten zu verhindern (z.B. durch Wetterbedingungen) stelle ich mein Hatori-Rohr auf eine Länge von 34,5 cm ein (Abb.12). Bei dieser Rohrlänge angekommen, werdet ihr von dem Ansprechverhalten des Motors begeistert sein und ihn kaum wiedererkennen. Bei den Versuchen der Rohrabstimmung dürfen, wie schon erwähnt, keine Kompromisse eingegangen werden:

- das Rohr muß vor Verrutschen gesichert werden

- das Rohr niemals während des Motorlaufs verschieben

- die Rohrkürzung in kleinen Schritten (0,5 cm) vornehmen, um die kritische Länge nicht zu verfehlen

- nach jedem Lauf den Motor abkühlen lassen

- den Motor immer von der fetten zur mageren Seite einregeln

Bei dieser vermeintlich zu kurzen Rohrlänge beginnt der Resonanzbereich etwa bei 12500 U/min. Für die vorgegebene Schwebedrehzahl meines Beispiels bedeutet das, daß der Motor unter Rotorlast bei einer Drehzahl von 1450U/min außerhalb der Resonanz läuft. Das Vergaserküken wird für diesen Flugzustand bedeutend weiter geöffnet, da die Motorleistung außerhalb der Resonanz erheblich niedriger liegt als im Resonanzbetrieb. Das Ansprechverhalten wird unkomplizierter und durch die geringe Leistungsabgabe läuft der Motor äußerst kühl und ruhig. Den übergroßen Kühlkopf könnte man für diesen Flugzustand ohne Bedenken abschrauben. Das Resonanzrohr dient hierbei lediglich als Expansionskammer. Für die hohe Rotordrehzahl von 1850 U/min und einer Motordrehzahl in meinem Beispiel von 16650 U/min hat der Motor für diese kurze Rohrlänge ein „äußerst unkompliziertes Laufverhalten und den notwendigen "Bums" für extreme Flugmanöver. Die Resonanzbreite des Hatori-Rohres reicht für Kopfdrehzahlen von 1700 U/min bis 1900 U/min bzw. Motordrehzahlen von 15300 U/min bis 17100 U/min.

Was geschieht nun bei zu kurz oder zu lang abgestimmten Resonanzrohren und was bedeutet das in der Praxis? Ich beginne mal mit der, auf den Flugplätzen am häufigsten vorzufindenen, viel zu langen Resonanzrohrabstimmung. Die Rohrlängen reichen bis zu 45 cm! Woher diese Abstimmungen stammen, und aus welchen Gründen diese dann von den Piloten übernommen werden, ist schon haarsträubend und entbehrt jeder Grundlage. Ich bekomme dann Antworten wie: "Ich nutze die zweite Resonanzwelle" oder "Mein Motor läuft viel zu heiß" oder "Mein Motor klingelt" oder "Ich muß sonst zweimal im Jahr die Kerze wechseln"! Ähnliche Antworten könnte ich noch einige aufzählen. Eines ist bei einer solchen Rohrlänge sicher: das so oft geforderte und zitierte Motordrehmoment bekommt man auf diese Weise nicht. Woher soll die Leistung auch kommen, wenn der größte Teil des energiebringenden Gasgemisches ungenutzt den Auspuff verläßt. Ein hohes Drehmoment bekommt man nur durch einen hohen Füllungsgrad und einer angepassten Verdichtung. Je höher die Verdichtung, desto höher ist das Drehmoment bei einer ganz bestimmten Motordrehzahl. Zunächst benötigt man eine möglichst optimale Füllung des Zylinders durch einen guten Ansaugtrakt und im Folgenden muß verhindert werden, daß diese Mischung den Brennraum ungenutzt wieder verläßt. Auf diesen optimalen Füllungsgrad stelle ich nun die Verdichtung für meine gewünschte Drehzahl ein, um ein maximales Drehmoment bei möglichst maximaler Leistung zu erhalten. Dieses alles funktioniert jedoch nicht mit einem viel zu lang abgestimmten Resonanzrohr. Ich muß gestehen, daß ich diese überlangen Abstimmungen niemals probiert habe, aber ich sehe die Leistungsausbeute bei den betreffenden Fliegern, und die ist mehr als dürftig. Das bissige Ansprechverhalten des Motors fehlt bei diesen Rohrlängen ebenso wie das sparsame Haushalten mit dem Treibstoff.

Ganz anders sieht die Motorreaktion bei einem zu kurz abgestimmten Resonanzrohr aus. Bei einem zu kurzen Rohr gelangen verbrannte Abgase zurück in den Zylinder und weiter bis in das Kurbelgehäuse. Die Folge ist ein total überhitzter Motor mit eventuellen Lagerschäden, ausgeglühte und zerbröselte Kerzen mit den entsprechenden Schäden an den beweglichen Teilen, sowie sich lösende Kupplungen durch die hohen Temperaturdifferenzen. Man könnte sagen: eine einzige Katastrophe für Mensch, Material und Geldbeutel! Angezeigt wird die Überhitzung durch ein kontinuierliches Abmagern des Motors bis zum Stillstand. Um dieses Abmagern richtig zu deuten, ist es sehr wichtig ein optimales Tanksystem (z.B. mein UNIT) eingebaut zu haben. Zu häufig wird das Abmagern auf ein zu kurzes Rohr geschoben, wobei der Tank mit abnehmenden Spritspiegel der Übeltäter ist. Das wäre vielleicht der Grund für die viel zu langen Abstimmungen?!

Ich denke, für die nächste Zeit habe ich den Motorfreaks genügend Diskussionsstoff geliefert. Eines solltet ihr jedoch beherzigen: vom Diskutieren ist noch kein Motor heiß gelaufen! Dieser Bericht fundiert auf hunderte von Stunden Prüfstandversuchen und über hundert Wettbewerbserfahrungen mit Rennmotoren. Er stellt somit nur einen kleinen Teil meiner Erfahrungen dar. Alles niederzuschreiben würde wahrscheinlich ein ganzes Buch füllen, und wer will das schon lesen? Eines haben Rennmotoren mit allen anderen Motoren gemein: Input mal Wirkungsgrad ergibt die nutzbare Energie, und die läßt bei vielen Motoren unnötigerweise zu wünschen übrig. Der Grund hierfür liegt meines Erachtens darin, daß die Motorhersteller dem Modellflieger nichts anderes zur Hand geben als einen Klumpen Metall, mit der großspurigen Bemerkung, daß die Garantie erlischt, wenn der Motor geöffnet wird. So etwas erinnert mich an die Wundertüten aus meiner Kindheit: Vorsicht - Überraschung beim öffnen! Außerdem ist es für den Vertreiber japanischer Motoren (der Größte auf diesem Sektor) beschämend, uns immer noch Vergaser anzubieten, die für unsere Treibstoffmischungen völlig ungeeignet sind und den Verdruß der Modellflieger auf Verbrennungsmotoren weiter hochtreibt. Diese kleinen Triebwerke sind doch allemal besser zu verstehen als wir Menschen.



Rietberg im März 1997


Copyright © 2009 Bruno Stuekerjuergen
Stand: 05.2011