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Stahl/Ring - ABC - oder AAC - das ist hier die Frage!
Veröffentlicht:
Motorsport Verlag, Rotor 4/98 u. 5/98
eine Darstellung von
Bruno Stükerjürgen
In meinem letzten Artikel habe ich angedeutet, daß die Modellmotoren-Technik in
einer Abhandlung mehrere Bücher füllen würde. Die positive Resonanz nach meiner
letzten Artikelserie ermutigt mich auch heute wieder aus dem "Nähkästchen" zu
plaudern und die ach so vielen Unstimmigkeiten und "Märchen" auf dem Gebiet der
Motortechnik ein wenig auszuräumen. Es haben mich viele Briefe und spontane
Telefonanrufe erreicht, bei denen meine Erfahrungen direkt zum Erfolg geführt
haben und fast ausnahmslos die Bitte nach weiteren Berichten geäußert wurde.
"Unser" Rotor-Redakteur Raimund Zimmermann trat mit der Bitte an mich heran,
doch einmal über die unterschiedlich eingesetzten Metalle bei den
Zylindergarnituren etwas "Aufklärung" zu betreiben. Wie schon an anderer Stelle
beschrieben, sind meine Ausführungen nicht wissenschaftlicher Natur, sondern
rein aus der Erfahrung heraus entstanden.
Für den Modellmotor stehen nach heutigem technischem Stand drei Arten von
Zylindergarnituren zur Verfügung, wobei eine Garnitur aus Gründen der Passung
immer aus dem Kolben und dem Zylinder bestehen sollte.
Die Grundtypen sind: Alu/Stahl, ABC und AAC, wobei jeder Hersteller
unterschiedliche Alu-Legierungen mit mehr oder weniger Erfolg zur Anwendung
bringt. Es ist also nicht die eine Garnitur mit der eines anderen Herstellers zu
vergleichen, auch wenn es den äußeren Anschein hat. Die positiven oder auch
negativen Erfahrungen sind von einem Hersteller zum anderen nicht ohne weiteres
übertragbar. Bei dieser Metallsammlung fehlt eigentlich nur noch die Garnitur
aus dem Werkstoff Keramik. Ich persönlich rechne mit dem Einsatz dieses
Werkstoffes für unsere Garnituren innerhalb der nächsten 10 Jahre mit
serienreifem Material.
Was bedeuten nun die Kürzel für die unterschiedlichen Garnituren, über die jeder
redet, aber nur wenige den Hintergrund kennen?
Alu/Stahl: Aluminiumkolben mit Ring und vergütetem oder teilgehärtetem
Stahlzylinder - nachfolgend als AVS bezeichnet
ABC: Aluminiumkolben und galvanisch verchromtem Messingzylinder
engl.: aluminum - brass - chromium
AAC: Aluminiumkolben und galvanisch verchromtem Aluminiumzylinder
engl.: aluminum - aluminum - chromium
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist zunächst der Preis, der für diese
unterschiedlichen Zylindersysteme gezahlt werden muß. Da die AVS-Garnitur in
riesigen Stückzahlen und zudem aus preiswerteren Rohstoffen mit unkomplizierter
Technik hergestellt wird, ist diese Variante natürlich die günstigste. Die
nächste Preissteigerung betrifft die seit fast 30 Jahren in Serie hergestellte
ABC-Garnitur. Der ringlose Kolben verlangt nach einer exzellent gehonten
Zylinderoberfläche und gut abgestimmten Metallegierungen. Anfang der 90er Jahre
kamen die ersten, in Kleinserie hergestellten AAC-Garnituren auf den Markt -
klein aber fein und teuer und voller Überraschungen. Der Kolben ist wie bei der
ABC-Garnitur ringlos und erfordert eine ebenso exakt gehonte "Büchse" und gut
aufeinander abgestimmt Metallegierungen. Der Zylinder ist aus einer
Aluminiumlegierung gefertigt.
Das nächste "gewichtige" Merkmal dürfte für die Gewichts-Fetischisten
interessant sein. Je nach Wandstärke der hergestellten Zylinder unterscheiden
sich die Garnituren im Gewicht erheblich, wobei die ABC-Garnitur in der Regel
die gewichtigste und die AAC die leichteste Lösung darstellt. Zwischen diesen
beiden liegen immerhin je nach Hersteller ca. 30 - 40 Gramm, und wenn ich sehe,
wie aufwendig Gewichtsreduzierung betrieben wird, ist die AAC-Garnitur ein
echter Schnellschuß!
Die Gewichte der verschiedenen Garnituren:
AVS: 55 Gramm (OS 61RX)
AAC 26 Gramm (OS 61RX - hergestellt von Nelson-USA)
ABC 67 Gramm (Rossi 61)
Die Gewichtsunterschiede anderer Hersteller dürften sich in einem ähnlichen
Rahmen bewegen.
Der wichtigste und alles entscheidende Grund, der für eine ABC- oder AAC-Garnitur spricht, ist die Leistungsausbeute gegenüber der AVS-Garnitur. Wie
bei allem, was neu ist, so waren auch die ersten ABC-Garnituren Anfang der 70er
nicht besser als AVS-Garnituren. Den AAC-Garnituren Anfang der 90er erging es
nicht besser gegenüber der ABC-Garnitur. Es dauert halt alles seine Zeit; denn
eine gute Idee ist nicht sofort mit Erfolg gekrönt. Eines darf man jedoch nicht
übersehen; eine schlechte ABC-Garnitur kann unter Umständen eine geringere
Leistung bringen, als eine gute AVS-Garnitur.
Jeder Garnituren-Typ hat, wie anders nicht zu erwarten, seine Vor und Nachteile
und natürlich auch seine Tücken. Die vermeintlich unkompliziertere AVS-Garnitur
ist in der Praxis auch nicht so ohne. Verklebte und ausgeschlagene Kolbenringe
sind die wohl bekanntesten Schwachstellen der AVS-Garnituren. Je nach der Güte
der Zylinderoberfläche ist ein Einlaufen des Kolbenringes in die Oberfläche
ebenfalls nicht unwahrscheinlich. Bei höheren Drehzahlen - sagen wir mal
oberhalb von 18000 U/Min. - können je nach der Ringpassung die Kolbenringe in
Schwingung kommen, um sich anschließend mit einem Bruch zu verabschieden. Bei
der Verwendung eines L-Ringes dürfte sich dieser Effekt noch erheblich
verstärken, da der Ring direkten Kontakt mit den Temperaturen im Brennraum hat
und bei zu mager eingestellten Motoren die dünnen L-Ringe ihre Güte bzw. Härte
verändern. Dieses ist sicherlich ein häufiger Grund für Kolbenringbrüche.
Jetzt stellt sich bei mir die Frage, warum die AVS-Garnituren bei den
Motorherstellern so beliebt sind?
Es kann nicht die Unkompliziertheit dieses Bauteils sein. Diese Garnituren
laufen nicht besser, springen auch nicht bei entsprechender Verdichtung besser
an als ringlose Garnituren. Die Standfestigkeit ist auch nicht höher als bei
anderen. Die Selbstzerstörung bei überhitztem Betrieb ist eher noch größer als
bei ABC-, oder AAC-Garnituren. Dieser kritische Bereich wird jedoch vom
Betreiber nicht so schnell bemerkt, da AVS-Garnituren sich im Betrieb nicht so
abrupt abstellen wie die ringlosen Exemplare. Ein Grund dafür könnte die
einheitliche und langjährig weiterenteickelte und verfeinerte Fertigungstechnik
sein. Ein wichtiger Grund könnte sicherlich das Preisgefüge der AVS-Garnituren
sein. Da es diese Kombination schon seit Jahrzehnten gibt, kann ich mir eine
preiswertere Produktion vorstellen. Sicherlich gehöhrt auch eine Portion
AVS-Philosophie dazu.
Vielleicht ist es aber auch ein ganz anderer Grund, wie z.B. die Streuung bei
der Serienprokuktion. Die Hersteller der Motore mit Ring-Garnituren haben
vielleicht die katastrophale Streuung der italienischen Motore mit
ABC-Garnituren beobachtet und lieber Abstand genommen. Dieses sind jedoch nur
Vermutungen von mir, die letztendlich nur die Hersteller selber aufklären
können.
Der überhaupt zu rechtfertigende Einsatz der Ring-Garnitur liegt in dem vom
Normal-Flieger genutzten Drehzahlbereich bis etwa 16000 U/Min. Bis in diesen
Drehzahlbereich ist leistungsmäßig zu den ringlosen Garnituren kaum ein
Unterschied meßbar und somit für den Normal-Flieger unbedeutend.
Ich persönlich kann mich mit den AVS-Garnituren nicht anfreunden. Warum sollte
ich auch, denn meine ABC-, und AAC-Garnituren funktionieren prächtig, und warum
soll man an diesem Zustand etwas ändern, was einen nicht vorwärts bringt,
sondern zwei Schritte zurück?! Es ist und bleibt für unsere "Mikro-Motori" eben
nur eine Garnitur "dritter Klasse". Dieser Zustand ist vielleicht mit dem des
Autoherstellers Ford zu vergleichen, der als einer der Letzten für einige
PKW-Modelle die Hinterachse auf Blattfedern liegen hatte und nicht davon
ablassen konnte, bis die Entwicklung anderer Federsysteme so weit
fortgeschritten war, das ein weiterer Einbau die Verkaufszahlen sicher
empfindlich gestört hätte. Ich erinnere mich an den Versuch von OS, einen
Pylon-Rennmotor, selbstverständlich mit einer ABC-Garnitur, während der WM 1993
durch japanische Piloten zu etablieren. Dieses Projekt ist dermaßen
schiefgegangen, daß dieser Motor meines Wissens nach heute in Europa nicht mehr
käuflich zu erwerben ist (thermische Probleme bis zur "Weißglut"). Ich will
damit nur sagen: wer die Entwicklung verschläft, den bestraft der Käufer- wenn
nicht heute, dann vielleicht morgen.
Seit nunmehr 30 Jahren befassen sich Motorhersteller mit mehr oder weniger
Erfolg mit der Herstellung und Optimierung von ABC-Garnituren. Meines Wissens
kam die erste ABC-Garnitur aus dem Hause Super Tiger und anschließend auch aus
dem Hause Rossi, was diesen beiden Firmen selbst heute noch den Mythos der
Superlativen anhängt. Bereits im Jahre 1968 (!) hat Werner Käseberg unter
Verwendung einer der ersten ABC-Garnitur den noch heute gültigen
Geschwindigkeitsrekord für Flächenmodelle von 320 km/h erflogen. Wenn ich diesem
Mann heute zuhöre, wie er vor 30 Jahren seine ABC-Garnituren eingeläppt und
einlaufen lassen hat, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das war
schlimmer als zu meinen besten Picco-Zeiten in den 80er Jahren, als ich aus zehn
(!) Garnituren eine oder vielleicht zwei für meine Rennfliegerei nutzen konnte.
Bei den OPS-Garnituren war es zu dieser Zeit nicht besser. Dieses Dilemma
änderte sich erst Ende der 80er Jahre, als die amerikanischen Pylon-Flieger (in
der Hauptsache die Weltmeister Dave Shadel und Dub Jet) sich in Kooperation mit
dem Motorenhersteller Henry Nelson eigene ABC-Garnituren für den 40er Super
Tiger fertigten. Andere Legierungen für den Kolben und andere Winkel der
Zylinder und Kolben zueinander brachten den entscheidenden Durchbruch für die
ABC-Garnituren. Hiermit wird auch wieder deutlich, daß der Fortschritt in der
Hauptsache durch den Leistungs- und Siegeswillen einzelner Menschen
vorangetrieben wird.
Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich mich mit minderwertiger Qualität von
ABC-Garnituren herumgeschlagen. Hier halfen keine Änderungen der Steuerzeiten,
in welcher Variation auch immer. Hier half kein Bearbeiten oder Erleichtern und
Ausfräsen der Kolbenhemden. Hier half keine Optimierung der
Kurbelwellengewichte. Hier half kein Titan-Pleuel oder Nadellagerung der
Kolbenbolzen oder Wellenzapfen. Der Phantasie war hierbei über Jahre hinweg
keine Grenzen gesetzt. Die ganze Arbeit war einfach für die Katz. Kurz gesagt:
es half einfach nichts, um diese ABC-Garnituren leistungsfähiger zu machen.
Dieser Zustand änderte sich erst, als Garnituren von Henry Nelson käuflich zu
erwerben waren. Einige Piloten kauften sich die modifizierten Super Tiger
Motoren bei Nelson komplett für ca $ 400,--. Vier Jahre später kam Henry Nelson
mit einem eigenen 40er Rennmotor auf den Markt, der für $480,-- käuflich zu
erwerben war. Die Leistungsausbeute und Betriebssicherheit dieser Motore
erreichte für uns Europäer eine bis dahin unvorstellbare Höhe. Diese hohen
Leistungen resultierten in der Hauptsache aus dem excellenten thermischen
Verhalten der Alu-Legierung des Gehäuses und der Abstimmung der Legierung von
Kolben und verchromter "Messing-Büchse". Es war kein doppelter Boden vorhanden,
kein Titan-Pleuel eingebaut oder Nadellager eingesetzt. Die Kurbelwelle hatte
keine Ausgleichsgewichte in Form von Wolfram. An diesem Motor waren einfach
keine "Kinkerlitzchen" vorhanden. Die Garnituren hatten "nur" vier Spülkanäle-
ein Auslaßkanal, zwei Überströmkanäle sowie einen Stützkanal- Ende! Diese Motore
hatten selbst bei 26000 U/Min noch einen so ruhigen Lauf, daß man meinen konnte,
unsere europäischen Motore hätten „Schüttelfrost“,gehabt! Diese Motoren haben
die zugeführte Energie nicht in Wärme oder Vibration, sonder in Leistung
umgesetzt.
Selbstverständlich mußte auch ich mich zuerst mit diesem Motor und seinen
Eigenarten vertraut machen. Mein ganzes Handling mit ABC-Garnituren und
angeblich solch perfekten Motoren mußte neu überdacht werden. Wie lasse ich
diese Garnitur einlaufen, wie hoch muß dieser Motor verdichtet werden, mit
welchem Öl lagere ich diesen Motor zwischen den Wettbewerben, woher bekommt man
die eingesetzten Lager und wie setzt man diese am besten ein? Fragen über
Fragen, die beantwortet werden wollten, denn das bisher Erfahrene schien keine
Gültigkeit mehr zu haben.
ABC-Garnituren haben für mich eine schreckliche, aber notwendige Eigenart; sie
klemmen beim Durchdrehen derart, daß man Angst hat, das Pleuel abzubrechen.
Diese stramme Passung ist erforderlich, da die Büchse sich bei Erwärmung mehr
ausdehnt als der Kolben. Beim Erreichen der Betriebstemperatur klemmt der Kolben
in keinster Weise mehr. Die Kolbenpassung ist gut, wenn der Brennraum zum
Kurbelgehäuse gerade noch abgedichtet wird. Eine zu stramme Passung hätte einen
hohen Reibungsverlust zur Folge. Eine zu geringe Passung würde den Brennraum zum
Kurbelgehäuse nicht genügend abdichten und die verbrannten Gase würden neben den
Kolben her in das Kurbelgehäuse gelangen und den Motor von innen aufheizen, aber
keine Arbeit verrichten. Diese Toleranzen bewegen sich im tausendstel-Bereich,
entscheiden aber über die Leistungsfähigkeit einer ABC-Garnitur erheblich.
Vor dem ersten Probelauf wird der Motor gründlich mit Treibstoff durch- und
ausgespült, um eventuellen Schmutz zu entfernen. Sollte jemand das Verlangen
haben, die Garnitur aus dem Gehäuse zu ziehen, um ein Auge darauf zu werfen, ist
diese unter Verwendung von z.B. HD-Öl ohne Gewalt wieder einzusetzen. Beim
Aufschieben des Pleuels auf den Kurbelwellenzapfen ist die angephaste Seite zur
Kurbelwellenwange zu drehen, da das Pleuel sonst nicht weit genug aufgeschoben
werden kann und außermittig im Zylinder läuft. Der Enddeckel ist dann eventuell
bei falscher Pleuelmontage nicht mehr bündig zu verschließen. Werden die
Enddeckelschrauben trotzdem angezogen, kann es sein, daß der Motor sich nur sehr
schwer durchdrehen läßt, da das Pleuel am Enddeckel scheuert. Sollte der Kolben
ein Kolbenfenster besitzen, muß dieses ebenfalls zur Kurbelwellenwange zeigen.
Bei Motoren mit Seitenauslaß erfolgt die Montage immer auf der
gegenüberliegenden Seite des Auslasses. Durch falsches Montieren würde der Motor
erst gar nicht anspringen, da die Frischgase direkt in das Resonanzrohr spülen
würden
Die Garnitur bitte nicht in ein erwärmtes Gehäuse einsetzen. Dieser Motor wird
mit ziemlicher Sicherheit einen "selbst verursachten Verspannungs-Tot sterben".
Optimal wäre eine saugend einzuschiebende Büchse. Die Zylinder niemals, auch
nicht zur Probe, ohne Öl in das Gehäuse einschieben. Die Alu-Legierungen der
Gehäuse sind in der Regel so weich, daß selbst durch kleinste Partikel der
Zylinder am Gehäuse "frißt". Dieser Schaden ist nur sehr schwer, unter Umständen
gar nicht zu beheben. Die Büchse bitte mit viel Gefühl einschieben und nicht
verkannten. Es gibt Zylinder, die sehr stramm einzusetzen sind und dadurch
schnell zum Verkanten neigen. Unter Verwendung von viel Öl sollte man diese
Büchsen mit einer leichten Drehbewegung ganz langsam rein und wieder
herausbewegen, um sie etwas einzuläppen. Auf diese Art läßt sich der Zylinder
immer etwas tiefer einschieben. Dieser Vorgang muß eventuell mehrmals wiederholt
werden und zwischendurch den Abrieb bitte abwischen und neu einölen. Die
Messing-Zylinder stehen diese Prozedur recht gut durch. Bei den
Aluminium-Zylindern ist noch mehr Feingefühl und Geduld für diese Prozedur
gefordert, wobei die Hersteller (mir sind zur Zeit nur zwei bekannt: Henry
Nelson, USA und Ravil Ibragimow, RUS) der AAC-Garnituren für ihre Kleinserien
eine enorme Präzision vorlegen, so daß der Einpaßvorgang in der Regel erst gar
nicht erforderlich wird.
Paßungenaue Komponenten deuten ohnehin auf minderwertige Qualität hin. Bei
meinem OS 61 RX ließ sich die AVS-Garnitur nur bei stark erhitztem Gehäuse
herausziehen. Diese Unart wird von einigen Fachleuten mit dem besseren
thermischen Übergang von Zylinder zum Gehäuse begründet. Diese Maßnahme ist mit
der gewaltigen Gehäuseverrippung bei manchen Herstellern zu vergleichen. Auch
hier liegt die Begründung in der Wärmeabfuhr. Es gibt hierfür nur eine
Problemlösung: die Energiezufuhr im Motor nicht in Wärme "zu vernichten",
sondern in Leistung umzuwandeln. Bei zu stramm eingesetzter Büchse treten im
Betrieb Verspannungen durch unterschiedliche Temperaturbereiche im Gehäuse auf,
die starke Leistungseinbrüche bei bestimmten Betriebstemperaturen zur Folge
haben.
Wie schon erwähnt, sollte der Motor vor dem ersten Probelauf mit Treibstoff gut
durchspült werden. Jetzt gibt es ABC-Garnituren, die sehr leicht durchzudrehen
sind und solche, die gar nicht durchzudrehen sind. In einem solchen Fall
verwende ich einen Heißluftfön für die Motorvorwärmung auf ca. 60 - 70 Grad
Celsius (Wasser fängt an zu verdampfen). Nun ist es mit dem Elektro-Anlasser
(mit 14 Zellen haben diese Geräte genügend Dampf) kein Problem mehr, den Motor
durchzudrehen und zum Zünden zu bringen. Dieser Vorgang sollte nicht unbedingt
im Winter bei -10 Grad Umgebungstemperatur erfolgen, um keine unnötigen
Motorabsteller im Flug zu haben. Wird die ABC-Garnitur zu heiß, stellt sie ab,
wird sie zu kalt, stellt sie ebenfalls abrupt ab. Soll der Motor jedoch
unbedingt bei grimmiger Kälte laufen, muß man ihn "warm anziehen". Darunter
verstehe ich das verschließen sämtlicher Kühlschlitze und Teile der
Gebläseansaugung bei den Hubschraubern. Der Kühlluftdurchsatz muß kleiner werden
um den Motor nicht zu stark abzukühlen. Liegt jedoch ein Motor vor, der "mehr
heizt als dreht", so wird dieser bei großer Kälte sein absolutes
Leistungsmaximum erreichen, ohne die Kühlluft zu reduzieren.
Eine ABC-Garnitur ist dann eingelaufen, wenn der Motor keine
Überhitzungserscheinungen mehr zeigt. Das kann, je nach Qualität des
eingesetzten Materials, nach einer Tankfüllung oder nach zehn Tankfüllungen der
Fall sein. Der Motor darf bitte während des Einlaufvorganges nicht über längere
Zeit spitz gedreht werden, sondern muß immer zur fetten Seite hin eingestellt
werden - aber nicht Viertakten. Das stundenlange "überfettete Einlaufen" dient
entgegen vieler Aussagen lediglich der Spritvernichtung, hilft also nur dem
Spritlieferanten und nicht, wie so oft vermutet, dem Motor.
Ich spreche bei "Einlaufen" des Motors nicht vom Leistungsmaximum der Garnitur,
sondern vom sicheren Durchlaufen ohne Rücksicht auf irgendwelchen sogenannten
"Einlaufsprit" oder überfettet eingestellte Vergaser und nicht von zu strammen
Pleuelpassungen an der Kurbelwelle oder dem Kolbenbolzen (die Einlaufdauer
hierfür ist nur sehr schwer einzuschätzen). Die Einlaufdauer hängt bei
ABC-Garnituren im wesentlichen zum einen von der Fertigungstoleranz der
Garnitur, von der gewählten Drehzahl, von der Spritqualität und nicht zu
vergessen von der Umgebungstemperatur ab.
Es spricht nichts dagegen, die Garnitur im Flug einlaufen zu lassen. Einlaufen
ist nichts anderes, als die Anpassung zwischen Kolben und Zylinder bei einer
bestimmten Temperatur. Während diesen Vorganges bildet sich mehr oder weniger
Abrieb (in der Hauptsache durch den Kolben), der durch die Frischgase über das
Auslaßsystem mit ausgespült wird. Die vielberüchtigten Kolbenklemmer durch
falsches oder gar kein Einlaufenlassen habe ich bis heute noch nicht erleben
können. Ich bin überzeugt, daß solche Ergebnisse in der Hauptsache durch andere
"Fehlbedienungen oder falsche Handhabung" der Motore auftreten. Die
Leistungsdifferenz einer ABC-Garnitur durch perfektes oder gar kein
Einlaufenlassen werden "Normalflieger" nicht feststellen können. Der
Leistungsbereich, in dem wir uns mit normalen Motoren bewegen ist einfach zu
niedrig, um große Leistungsdifferenzen bemerken oder messen zu können.
Viel wichtiger für eine lange Lebensdauer ist ein verspannungsfreier Betrieb des
gesamten Motors. Das fängt am Zylinderkopf an und hört bei der Motorbefestigung
auf. Für einen spannungsfreien Zylinderkopf-Sitz benötigt man bei einer
ABC-Garnitur nicht unbedingt einen Drehmomentschlüssel. Einen gut sitzenden
Schraubenzieher (für Rossi) oder einen Imbusschlüssel mit länglichem Griff oder
einem Kreuzgiff muß man schon verwenden. Bei abgeschraubten Zylinderkopf werden
zunächst die Gehäusegewinde auf Leichtgängigkeit überprüft und gegebenenfalls
mit einem Gewindebohrer nachgeschnitten. Aber Achtung: japanische und
amerikanische Motore haben in der Regel Zollgewinde!
Als nächstes wird der Zylinderkopf aufgesetzt (nicht mit Gewalt oder unter
Verwendung von Wärme oder gar eines Hammers) und alle Schrauben von Hand lose
eingedreht. Jetzt muß sich der Kopf leicht nach rechts und links drehen lassen,
also etwas Spiel an allen Schrauben haben. Ist das nicht gegeben, muß die zu
enge Schraubenbohrung ausfindig gemacht werden und fürs erste zwei - zehntel
aufgebohrt werden. Mit einer kleinen Rundfeile kann die Bohrung auch aufgerieben
werden. Wenn das erforderliche Spiel vorhanden ist, zieht man die Schrauben mit
zwei Fingern und dem entsprechenden Werkzeug über Kreuz vorsichtig an. Bitte
immer darauf achten, daß der Kopf sich nicht einseitig abhebt. Ein Abheben kann
man verhindern, indem der Motor so in die Hand genommen wird, daß der Daumen den
Zylinderkopf herunterdrückt. Die Schrauben werden jetzt über Kreuz noch einmal
gelöst und mit Fingerspitzengefühl wieder leicht angezogen, bis man das
Aufsetzten des Schraubenkopfes spürt. Nun sitzt der Kopf so fest, daß er gerade
nicht mehr klappert. Denkt jetzt bitte immer daran; nach fest kommt ab.
Eisenschrauben in ein weiches Aluminiumgehäuse drehen ist immer heikel und
bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Das letzte Anziehen der Schrauben also nicht
mit Gewalt, sondern wie gehabt nur mit zwei Fingern. Imbussschrauben lassen sich
hervorragend mit einem Kreuzschlüssel anziehen. Wenn sich der Sechskant beim
Anziehen ca. eine achtel Umdrehung verwindet, hat man etwa ein Drehmoment von
1,5 Nm erreicht und die Schrauben sind fest. Das Ganze wie gehabt über Kreuz,
und wer unsicher beim Anziehen ist - die Schrauben haben viel Geduld, um in
Übung zu kommen, also die Prozedur noch mal von Anfang an.
Eines ist sicher noch wichtig: den Kopf bitte nicht im heißen Zustand auf- und
zuschrauben. Die Schrauben sitzen im heißen Zustand unter Umständen sehr fest,
so daß beim Lösen die Gewinde immer in Mitleidenschaft gezogen werden. Beim
Anziehen im heißen Zustand erwischt man nur sehr schlecht den richtigen
Schraubensitz, so daß beim abgekühlten Motor die Kopfschrauben zu lose sein
könnten. Auf diese Art und Weise wird auf jeden Fall ein ausreichender Kopfsitz
spannungsfrei erreicht. Sollte jemand die Verdichtung ändern wollen, muß
unbedingt auf saubere und glatte Dichtungen geachtet werden, im Zweifelsfall
eine neue nehmen, da der Kopf sonst einen schlechten Sitz bekommt und im
schlimmsten Fall undicht ist.
Bei spannungsfrei eingesetzter ABC-Garnitur und spannungsfrei verschraubtem
Zylinderkopf können bei eventuell auftretenden Motorproblemen diese beiden
Komponenten bei der Fehlersuche schon mal ausgeschlossen werden - und das ist
doch schon was.
Jeder Motorkonstrukteur wird mir sicher zustimmen, wenn ich behaupte, daß eine
nach heutigem technischen Stand und unter Einsatz der optimalen Metallegierungen
gefertigte ABC-Garnitur immer mehr Leistung bringt als eine unter gleichen
Bedingungen hergestellte AVS-Garnitur. Auch bei Einsatz eines optimalen
Materials, ist der Schlüssel zum Erfolg immer das „know how“ für die richtige
Behandlung. "Mal eben" funktioniert in den seltensten Fällen und ist in der
Regel mit Mißerfolg gekrönt.
Aber wo liegen nun die Schwachstellen bzw. Macken und Tücken der ABC-Garnitur?
Die größte Schwachstelle liegt in der Maßtoleranz bei der Herstellung. Einige
ABC-Garnituren haben einen super strammen Sitz; andere einen Schiebesitz des
Kolbens, aber nur eine Passung ist die Richtige und die wird bei einigen
Herstellern nur selten, wenn gar nie erreicht. Hinzu kommt ein ovaler Zylinder
oder Kolben, der leistungsmäßig nie an die Möglichkeiten einer optimalen
Garnitur herankommt.
Eine weitere Schwachstelle liegt in der Wandstärke des Zylinders. Auch hier
gilt: es kann nur eine Wandstärke die Richtige sein - zu dick ist schlecht und
zu dünn ist noch schlechter. Ich habe einen europäischen 61er Motor mit einer
ABC-Garnitur gesehen, da könnte man zu der Vermutung kommen, daß der Hersteller
seine Zylinder nach Untergewicht bezahlt bekommt. Diese Motoren werden ihr Leben
lang thermische Probleme haben!
Ein weiteres, fast nie erkanntes, Laster ist bei ABC-Garnituren nach einer oder
mehreren Tankfüllungen mit überhitztem Motor festzustellen: die Zylinder weiten
sich im oberen Totpunkt des Kolbens beträchtlich auf und haben dann unter
Umständen eine zu geringe Abdichtung des Brennraumes. Diese überhitzten Zylinder
sind anschließend nur äußerst schwer aus dem Gehäuse zu ziehen, manchmal nur
durch Erwärmung des Gehäuses. Eine derart verformte Büchse ist für
Höchstleistungen und zuverlässigen Motorlauf nicht mehr zu gebrauchen.
Eine Tücke der ABC-Garnituren sei noch erwähnt: ein Kolben mit einer
durchgezogenen Riefe ist schlichtweg hin. Hierbei besteht nicht die Möglichkeit,
wie bei der AVS-Garnitur, den Kolbenring zu wechseln und alles ist wieder
paletti. Das Problem liegt im wahrsten Sinne in solch einem Fall ganz schön
tief! Solch vermackelte Garnituren können, je nach Ausmaß der Beschädigung, noch
lange ihre Dienste tun, aber ihr Leistungsmaximum haben sie eindeutig
überschritten. Außerdem nimmt die Anfälligkeit eines solchen Motors bei hohen
Umgebungstemperaturen in diesem Fall sprunghaft zu.
Sonst fällt mir zu den "Schlechtigkeiten" der ABC-Garnituren im Moment nichts
Weiteres ein. Es besteht für mich eigentlich kein Grund, nicht alle Motoren mit
einer ABC-Garnitur auszustatten. In meinen Augen ist das Handling einer
ABC-Garnitur durch den fehlenden Kolbenring in der Praxis unkomplizierter als
viele meinen.
Aber nun zur Edelgarnitur unserer Zeit mit dem vermeintlichen Zauberwort AAC.
Die erste AAC-Garnitur hielt ich 1992 in Händen. Der Hersteller war, wie anders
nicht zu erwarten, Henry Nelson (USA). Die AAC-Garnitur fiel auf Anhieb durch
das geringe Gewicht und der relativ losen Kolbenpassung im Zylinder auf. Die
lose Passung, im Gegensatz zur ABC-Garnitur, deutet auf eine gleichmäßige
Ausdehnung der Alu-Legierungen hin, was den „kleinen Unterschied“ ausmachen
dürfte. Die Zylinderoberfläche ist wie bei der ABC-Garnitur galvanisch verchromt
und gehont.
Vor zwei Jahren ließ ich mir aus den USA eine AAC-Garnitur für meinen OS
61RX-Motor schicken. Von diesem Edelteil von Nelson war ich natürlich hellauf
begeistert. Diese Präzision und Passgenauigkeit im OS-Gehäuse ist schon
beeindruckend, wenn man bedenkt, daß zwei Hersteller am Werk waren. Im Gegensatz
zu den bekannten Motorherstellern liefert Nelson zu den Garnituren
selbstverständlich verschiedene Kopfdichtungen von ca. 8/100 bis 2/10 mm zur
Anpassung der Verdichtung mit. Neuerdings werden auch zu jeder AAC-Garnitur
Sprengringe für den Kolbenbolzen mitgeliefert und in der deutschen Beschreibung
(Gamma) auf wichtige Handhabungen wie den Einlaufvorgang etc. hingewiesen.
Wie schon erwähnt, ist bei dem Einsetzen der AAC-Garnitur sehr viel Sorgfalt und
Fingerspitzengefühl erforderlich. Bei bereits schon länger genutzten Gehäusen
ist eine Reinigung von Ölkohle und anderen Verunreinigungen im Bereich des
Zylinders unbedingt erforderlich. Für das Entfernen von alten Öl- und
Schmutzpartikel benutze ich zum Aussprühen einen Kupplungsreiniger (Entfetter).
Dabei muß das Gehäuse immer mit der Kurbelwelle nach oben gehalten werden, damit
keine Schmutzpartikel in die Kugellager geraten können.
Für festgebrannte Ölkohle ist eine wasserlösliche Scheuerflüssigkeit (Stahl Fix
o.ä.), aufgetragen auf einen weichen Lappen oder Reinigungsflies, sehr
hilfreich. Diese Art der Reinigung aber bitte nur auf die Ölkohle konzentrieren,
da bei zu viel Aluabrieb die Zylinderpassung im Gehäuse zu locker werden kann.
Ein besonderes Augenmerk ist auf die Nute im Gehäuse zu legen, die den
Zylinderkragen aufnimmt. An dieser Stelle greift die gesamte Kraft der
Zylinderkopfschrauben und eine grobe Verunreinigung würde den Zylinder
verspannen. Vor dem Einschieben der Buchse wird das Gehäuse noch unbedingt durch
Fingerprobe auf vorstehenden Grat untersucht und, falls vorhanden, mit einer
scharfen Klinge abgeschnitten. Eine Nachbehandlung der Schnittkannte sollte mit
1500er Naßschleifpapier in trockenem Zustand erfolgen. Nun wird das Gehäuse und
der Zylinder mit HD-Öl satt eingerieben. Nach der Kolbenmontage (angephastes
Pleuelauge zur Kurbelwellenwange) wird der Zylinder unter leichtem Hin- und
Herdrehen in das Gehäuse eingeschoben.
Es ist unbedingt darauf zu achten, daß die Buchse sich nicht verkanntet! Anders
als bei der ABC-Buchse kann die Alu-Buchse am Gehäuse sehr leicht „fressen“ (
Alu auf Alu). Also Vorsicht, die Buchse muß sich leicht ohne ruckeln und kanten
einschieben lassen! Der Kolben steht dabei auf dem unteren Totpunkt und wird mit
dem Finger von oben durch den Zylinder zentriert. Sollte die Buchse sich doch
verkanntet haben und nicht mehr hin- und hergehen, bitte kein Metallwerkzeug
benutzen. Die weiche Alu-Buchse wäre sofort zerstört. Der Zylinder muß wieder
raus, um eine unerkannte Abspanung zu verhindern und zu kontrollieren. Aber wie
geht das nun ohne Werkzeug? Wie auf dem Bild zu sehen, schiebe ich einen kleinen
Lappen oberhalb des Kolbens in das Auslaßfenster der Buchse und drehe den Kolben
nun über die Kurbelwelle nach oben. Ist der Kraftaufwand an der glatten
Kurbelwelle zu groß, muß ein Hebelarm (Luftschraube, Gebläserad etc.)
aufgeschraubt werden. Alle Bauteile sind anschließend auf Späne und Riefen zu
untersuchen und ggf. zu entfernen.
Da es sich bei der AAC-Garnitur nicht um ein Originalersatzteil handelt, muß nun
der Abstand zwischen Kolben OT und der Brennraumquetschkante ermittelt werden.
Sollte hierfür kein geeignetes Meßwerkzeug (Meßuhr mit geeigneter Auflage)
vorhanden sein, ist das Maß wenigstens mit einer guten Schieblehre festzustellen
und vorsichtshalber, nach mehrmaligen Kontrollmessungen, ca 1/10 mm für
Meßfehler hinzuzurechnen um ein Anschlagen des Kolbens in OT an die Quetschkante
unbedingt zu vermeiden.
Das Aufsetzen und Festschrauben des Zylinderkopfes ändert sich im Gegensatz zu
den bereits beschriebenen Vorgang nur insofern, daß, wenn eben möglich, für die
Kopfschrauben ein Drehmomentschlüssel verwendet werden sollte. Das Anzugsmoment
reicht mit 1,5 Nm völlig aus. Eine AAC-Garnitur kann beim Anschrauben des
Kopfes, bedingt durch das weiche Material schneller verspannt werden als eine
ABC- oder AVS-Garnitur. Also, höchste Aufmerksamkeit und Sorgfalt bei der
Montage einer AAC-Garnitur.
Das Einlaufen der AAC-Garnitur unterscheidet sich zur ABC-Garnitur nur insoweit,
daß sie ihr Leistungsmaximum schneller erreicht. In der deutschen Beschreibung
von Gamma beginnt das Einlaufen zuerst manuell. Der Motor soll unter Verwendung
von HD-Öl und ohne Glühkerze ca. 50 mal in Laufrichtung durchgedreht werden.
Anschließend den Motor wieder zerlegen und das überschüssige Öl mit dem
Alu-Abrieb mit einem Lappen entfernen. Nach dieser Vorgehensweise empfehle ich
nun das Ausspülen des Motors mit Treibstoff,um auch den versteckten Abrieb zu
entfernen. Hierbei immer darauf achten, daß kein mit Abrieb belastetes Öl oder
Treibstoff in die Kugellager gelangt.
Durch dieses manuelle Einlaufen werden auf jeden Fall die Kugellager entgegen
der herkömmlichen Methoden von Alu-Abrieb nicht belastet! Diese Methode kann
selbstverständlich auch für ABC- oder AVS-Garnituren verwendet werden, denn
Nachteilig ist es auf keinen Fall. Der weitere und hauptsächliche Einlauf
erfolgt auf jeden Fall im Modell unter Last. Anfangs sollte nicht unbedingt
unter Vollast geprobt werden, um die AAC-Garnitur thermisch nicht zu überlasten.
Ein zu mager eingestellter Motor,bestückt mit einer AAC-Garnitur,reagiert
äußerst sensibel auf zu mageren Lauf. Bei zu langem Betrieb im überhitzten
Zustand weitet sich der Zylinder im oberen Bereich, so daß keine optimale
Verdichtung mehr stattfinden kann. Dieser Prozeß ist bei einer AAC-Garnitur
weitaus gefährlicher als bei einer ABC-Garnitur. Die Zeit, in der eine
überhitzte AAC-Garnitur sich zerstört,ist entschieden kürzer als bei einer ABC-
oder AVS-Garnitur. Auch nach der Einlaufphase darf eine AAC-Garnitur niemals zu
mager laufen. Damit ist die größte Schwachstelle der AAC-Garnitur schon
beschrieben.
Leistungsmäßig steht die AAC-Garnitur der ABC-Garnitur nichts nach, gewinnt gar
mit zunehmender Drehzahl des Motor an Vorteilen. Ein guter Rennmotor ohne
AAC-Garnitur hat heute kaum noch eine Chance.
Aber welche Garnitur ist nun die Richtige oder die Bessere?
Die richtige Garnitur ist immer die, mit der der Motorbetreiber zufrieden ist
und keine Probleme hat. Außerdem hat der Betreiber oftmals keine andere
Möglichkeit als die Garnitur, die sich im Motor befindet, da nicht für jeden
Motor Alternativen zur Verfügung stehen.
Die bessere Garnitur ist für mich immer die mit der maximalen Leistungsabgabe,
und das ist nun mal eine AAC-Garnitur vor der ABC- und AVS-Garnitur. Für
Leistungsbewuste Piloten kommt also vor dem Motorkauf die Information für
welchen Motor es ABC- oder AAC-Garnituren zu kaufen gibt.
Die Haltbarkeit bzw. Standzeit der verschiedenen Garnituren hängt im
wesentlichen vom Betreiber ab. Das größte Problem der Garnituren sind thermische
Mißhandlungen und der Schmutz, der im Bodenbereich angesaugt wird. Einige
Spritsorten tun ihr Übriges durch Oxidation bei ungeeigneter Lagerung.
Was jedoch der Leistung der Motoren für die Zukunft am meisten förderlich ist,
ist der Kauf bzw. Einsatz von zeitgemäßem Material.
In die Jahre gekommene Technik und sei sie noch so preiswert (besser: billig),
verursacht in der Regel mehr Ärger und Mißerfolg als die meisten Besitzer
zugeben wollen.
Rietberg im Januar 1998
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